ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Unfallhaftpflicht: Welche Angaben werden benötigt?

Versicherungen

Unfallhaftpflicht: Welche Angaben werden benötigt?

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): [79]

Delank, Martin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS ür die Bestimmung der Schadensersatzansprüche sind die Versicherungen auf die Ärzte angewiesen.

Wird eine Person bei einem Unfall verletzt, fordert die Haftpflichtversicherung vom behandelnden Arzt einen Bericht über die Schwere der Verletzungen an. Für diese Beurteilungen muss der Arzt in der Regel Formulare ausfüllen, die teilweise missverständliche oder unklare Formulierungen enthalten. Oft kommt es dann zu Nachfragen, insbesondere von Anwälten der Patienten. Welche Informationen benötigen die Versicherungen?
Ermittlung des Haushaltsführungsschadens
Die von den Ärzten erwünschten Auskünfte dienen dazu, Anhaltspunkte für die Bemessung des Schmerzensgeldes, des Verdienstausfalles und des Haushaltsführungsschadens zu erhalten. Das Schmerzensgeld ist abhängig von der Schwere der Verletzungen, der Dauer eines stationären Aufenthaltes, der Art der ambulanten Behandlung und der Frage, ob ein Dauerschaden vorliegt. Für den Verdienstausfallschaden ist die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise deren Einschränkung bedeutend. Als Haushaltsführungsschaden werden Ausgleichsansprüche bezeichnet, die eine verletzte Person geltend machen kann, weil sie bedingt durch die Unfallverletzung die von ihr normalerweise erbrachten Leistungen im Haus und Garten, aber auch bei der Kinderbetreuung nicht erbringen konnte.
Eine Arbeitsunfähigkeit im Haushalt ist nicht gleichzusetzen mit der Arbeitsunfähigkeit im Angestelltenverhältnis. So kann ein Hausmann mit einem gebrochenen Bein weiterhin den Haushalt leiten und Kartoffeln schälen. Er kann aber weder einkaufen, staubsaugen noch Gartenarbeit erledigen. Auch Kindern entsteht ein Haushaltsführungsschaden: Nach den familienrechtlichen Unterhaltsbestimmungen haben alle Familienmitglieder sich an anfallenden Arbeiten zu beteiligen – allerdings erst ab etwa zwölf Jahren.
Für die Bemessung des Haushaltsführungsschadens ist es erforderlich festzustellen, inwieweit die Fähigkeiten zur Erledigung der Hausarbeiten durch die Verletzungen eingeschränkt sind, und zwar hinsichtlich aller notwendigen Tätigkeiten, unabhängig davon, ob beziehungsweise in welchem Maße diese tatsächlich übernommen wurden. Die tatsächliche individuelle Berechnung der Beteiligung im Haushalt erfolgt anhand von statistischen Ermittlungen der Mitglieder unter Berücksichtigung der Berufstätigkeit, des Alters der Angehörigen und der Familiengröße.
Extrablatt sinnvoll
Der Arztbericht muss deshalb auch Angaben darüber enthalten, in welchen Zeiträumen der Verletzte zu wie viel Prozent bei der Haushaltsführung eingeschränkt war. Dabei mag als Faustregel gelten, dass diese Werte bei vorübergehenden Verletzungen (die spätestens nach drei Monaten ausgeheilt sind) und bei nicht stationärer Behandlung in etwa zehn bis 20 Prozent unter denen für den allgemeinen Arbeitsmarkt liegen. Bei schweren Dauerschäden müssen die Einschränkungen konkret festgestellt werden.
Da die Dauer der Beschwerden durch die ärztliche Bescheinigung über Behandlungszeit und Intensität (einschließlich Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik et cetera) glaubhaft gemacht werden muss, sollten Patienten so lange wieder einbestellt werden, bis sie beschwerdefrei sind. Der Abstand zwischen den Terminen sollte höchstens drei Wochen betragen.
Bei der Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit kommt es nicht darauf an, ob jemand Arbeitnehmer ist und deshalb eine Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung ausgestellt wird. Die entsprechenden Angaben sind gegebenenfalls fiktiv zu machen. Auch Kinder, Studenten, Rentner, Hausfrauen und -männer können arbeitsunfähig sein. Es ist oft sinnvoll, die Beantwortung der starren Fragen durch ein Beiblatt zu ergänzen und hier die entsprechenden Angaben ungefragt auszuführen. Martin Delank


Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema