ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Streptococcus pneumoniae: Ein gefährlicher Keim für Kleinkinder

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Streptococcus pneumoniae: Ein gefährlicher Keim für Kleinkinder

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1498 / B-1258 / C-1176

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Die häufigsten Todesfälle nach akuten respiratorischen Erkrankungen des Kindes werden nach Infektionen mit Steptococcus pneumoniae verzeichnet. Pneumokokken sind auch verantwortlich für Meningitiden, die im Kindesalter mit einer Sterblichkeit von 20 Prozent und einer ebenso hohen Komplikationsrate einhergehen. Betroffen sind vor allem kleine Kinder. „In europäischen Ländern werden circa 30 Prozent aller durch Pneumokokken verursachten Meningitiden bei Kindern unter vier Jahren beobachtet, allein circa 15 Prozent im Säuglingsalter“, erklärte Prof. Sieghart Dittmann (Berlin) bei einer Veranstaltung des Deutschen Grünen Kreuz e.V. in Frankfurt/Main.
Seit einigen Jahren sind Polysaccharid-Impfstoffe auf dem Markt, die ältere und multimorbide Patienten vor Pneumokokken-Erkrankungen schützen. Bei Kindern unter zwei Jahren vermögen Polysaccharid-Impfstoffe gegen die Mehrzahl der Kapseltypen jedoch keine ausreichende Immunantwort hervorzurufen. Analog der Entwicklung von Impfstoffen gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) wurden jetzt so genannte konjugierte Pneumokokken-Impfstoffe entwickelt.
„Die Kopplung der Antigene an Trägerproteine führt zu auch beim Kleinkind gut wirksamen Impfstoffen“, so Dittmann. Allerdings gibt es die Besonderheit, dass der Pneumokokken-lmpfstoff konjugierte Antigene gegen die Mehrzahl der beim Kleinkind relevanten Kapseltypen enthalten muss. Zehn bis elf Kapseltypen verursachen weltweit 80 Prozent aller Pneumokokken-Erkrankungen des Kleinkindes.
Alle großen Impfstoff-Hersteller haben Entwicklungen von 7 über 9 bis zu 11 valenten Impfstoffen in Angriff genommen und befinden sich in fortgeschrittenen Phasen der klinischen Erprobung. Im vergangenen Jahr wurde der erste konjugierte Pneumokokken-lmpfstoff in den USA lizenziert. Hier wird bereits empfohlen, die Vakzine als Routine-Impfung in den Impfkalender einzufügen. Danach sollen alle Kinder vom vollendeten zweiten Lebensmonat bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr im Abstand von zwei Monaten dreimal geimpft werden und eine einmalige Auffrischimpfung zu Beginn des zweiten Lebensjahres erhalten.
Ferner wird die Impfung allen anderen Kindern bis zum fünften Lebensjahr empfohlen, sofern sie Kindereinrichtungen besuchen, gesundheitliche Risikofaktoren aufweisen oder bestimmten ethnischen Minderheiten angehören. In den übrigen Ländern, in denen die Zulassung des Impfstoffs erst kürzlich erfolgte, liegen noch keine Empfehlungen der nationalen Gremien vor.
Die Welt­gesund­heits­organi­sation hält die Entwicklung von konjugierten Pneumokokken-lmpfstoffen für prioritär, zumal weltweit die Resistenz gegen Antibiotika zunimmt, die gegen Pneumokokken wirksam sind – dies vor allem in den Entwicklungsländern, aber auch in Europa. Nach Angaben von Dittmann müssen wichtige Voraussetzungen für die Impfstoff-Anwendung noch erfüllt werden: „Die Impfstoffe müssen effektiv gegen mehr als 80 Prozent der weltweit zirkulierenden wichtigsten Kapseltypen sein, und sie müssen bezahlbar werden.“ Erfahrungen mit gestaffelten Impfstoffpreisen (höher für Industrieländer und niedriger für Entwicklungsländer) lägen vor und könnten zukünftig auch bei Pneumokokken-lmpfstoffen genutzt werden. zyl

In Deutschland erlitten in den letzten Jahren im Durchschnitt 19,5 von 100 000 Kindern unter zwei Jahren Infektionen mit Streptococcus pneumoniae. Mehr als tausend Kinder und Jugenliche unter 16 Jahren erkranken an einer invasiven Pneumokokken-Infektion.
Foto: Pasteur Mérieux Connaught
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