ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Max-Planck-Gesellschaft: Schuldbekenntnis

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Max-Planck-Gesellschaft: Schuldbekenntnis

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1577 / B-1349 / C-1257

Gerst, Thomas

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LNSLNS Mit dem dreifachen Bekenntnis zur historischen Verantwortung – als deutscher Wissenschaftler, als Biowissenschaftler und als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft – folge ich der Verpflichtung, die uns die Vergangenheit auferlegt. Daher möchte ich mich für das Leid entschuldigen, das den Opfern dieser Verbrechen ... im Namen der Wissenschaft angetan wurde.“
Hubert Markl wird die Rede zur Eröffnung des Symposiums „Biowissenschaften und Menschenversuche an Kaiser-Wilhelm-Instituten – Die Verbindung nach Auschwitz“ nicht leicht gefallen sein. Allzu lange war es die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) selbst gewesen, die eine direkte Traditionslinie zur Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft von sich wies und die belastende Dokumente in ihren Archiven vor den Augen der Öffentlichkeit verbarg. Nicht zuletzt die Karriere des Chemie-Nobelpreisträgers Adolf Butenandt, Präsident der MPG von 1960 bis 1972, war offenbar zu eng mit den menschenverachtenden Forschungen in Kaiser-Wilhelm-Instituten verwoben, als dass von dort Anstöße zur Aufklärung hätten ausgehen können.
Im Jahr 1997 setzte der Präsident der MPG eine unabhängige Forschungskommission ein, um die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus wissenschaftlich zu erforschen. Den Mitarbeitern der Kommission wurde freier Zugang zu allen Akten im Besitz der MPG gewährt. Ein erster Forschungsschwerpunkt galt der Biomedizin und der rassenbiologischen Forschung und Anwendungspraxis in der NS-Zeit. Die nun vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten belegen die geistige Miturheberschaft und auch aktive Mitwirkung von Direktoren und Mitarbeitern mehrerer biowissenschaftlich ausgerichteter Kaiser-Wilhelm-Institute an den Verbrechen des NS-Regimes (siehe auch DÄ, Heft 19/2001). Für den Historiker Wolfgang Schieder, Köln, zeigt sich hier der „Befund einer enthemmten medizinischen Forschung, die um eines vermeintlich wissenschaftlichen Fortschritts willen alle ethischen Maßstäbe aufgegeben hat“. Thomas Gerst
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