ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Ambulante Versorgung: Facharztnöte in Koblenz

POLITIK

Ambulante Versorgung: Facharztnöte in Koblenz

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1592 / B-1344 / C-1258

Maus, Josef

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LNSLNS Dramatische Honorareinbußen waren das zentrale Thema beim gesundheitspolitischen Forum in Emmelshausen.

Die Situation der niedergelassenen Fachärzte im Bereich der KV Koblenz wird zunehmend prekärer: Seit Anfang vergangenen Jahres mussten die Spezialisten Honorareinbußen von bis zu 48 Prozent hinnehmen. Vielen Facharztpraxen droht inzwischen der wirtschaftliche Ruin – und Besserung ist nicht in Sicht.
Der Grund für die akute Misere ist die mit der Gesundheitsreform 2000 eingeführte Trennung der Gesamtvergütung in einen hausärztlichen und fachärztlichen Anteil. Während fast alle anderen KVen die finanziellen Auswirkungen der neuen Bestimmung auf die fachärztliche Versorgung durch ihre Honorarverteilungsmaßstäbe in Grenzen halten konnten, ist die KV Koblenz machtlos. Sie hat seit 1996, dem für die Hausärzte günstigsten Ausgangsjahr für die Festlegung der Vergütungsanteile, einen Facharztzuwachs von 24,8 Prozent einschließlich der Psychotherapeuten zu verkraften. Immer mehr Fachärzte müssen seither mit einem Vergütungsanteil auskommen, der auf die Verhältnisse von vor fünf Jahren zugeschnitten war.
Beim ersten gesundheitspolitischen Forum der KV Koblenz in Emmelshausen war dies das beherrschende Thema. Die Gäste, unter anderem Florian Gerster, Ge­sund­heits­mi­nis­ter von Rheinland-Pfalz, Dr. Edwin Smigielski, Abteilungsleiter Kran­ken­ver­siche­rung im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, und Dr. med. Andreas Köhler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, konnten den besorgten Ärzten jedoch wenig Hoffnung machen. Gerster schob den Ball der Selbstverwaltung zu, die das Problem aus eigener Kraft lösen müsse. Smigielski verwies auf eine erstmals erkennbare Tendenz, wonach in den kommenden Jahren mit einem Rückgang der Arztzahlen zu rechnen sei. Lediglich Köhler gab einen sachdienlichen Hinweis: Die KBV arbeite an Lösungsvorschlägen für die KV Koblenz, die zumindest die Zeit überbrücken könnten, bis der Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen Korrekturen an der Ausgangsregelung vornehmen kann.
Die Hilflosigkeit der Politik angesichts der Koblenzer Misere mag aber auch ihr Gutes haben. Zumindest konnten Gerster und Smigielski den Eindruck mit nach Hause nehmen, dass die strikte Budgetierung der Ausgaben (Gerster: „Eine Notlösung“) nicht länger haltbar ist. Die Erkenntnis, dass es mit der Abschaffung der Arzneimittelbudgets alleine nicht getan ist, drängte sich geradezu auf. Dennoch sagte Smigielski, dass mit kurzfristigen Änderungen am Honorarbudget nicht zu rechnen sei.
Hoffen auf den Runden Tisch
Was die nächste, grundlegende Gesundheitsreform bringen wird, blieb im Dunkeln. Während Gerster nach wie vor die Auffassung vertrat, dass die GKV grundsätzlich über genug Geld verfüge, das System aber an der sektoralen Abschottung leide, prognostizierte Smigielski immerhin „gravierende Einschnitte, weil es so nicht mehr weiter gehen kann“. Der so genannte Runde Tisch, an dem auch die Spitzen der Ärzteschaft vertreten sind, wird nach seiner Ansicht eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung der Reform spielen. Die verschiedenen Arbeitsgruppen treffen sich erstmals in diesem Monat und wollen schon im September erste Zwischenergebnisse bekannt geben. Den Koblenzer Ärzten wird das zunächst wenig helfen. Immerhin dürfte dann aber erkennbar sein, ob die Politik ernsthaft die Ablösung der Budgets betreiben will. Josef Maus
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