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Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1602 / B-1374 / C-1276

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LNSLNS DÄ: Die Krankenkassen beklagen, ihnen seien keine adäquaten Instrumente übertragen worden, um eine wirtschaftliche Versorgung mit Hilfsmitteln zu steuern. Sehen Sie das auch so?
Aubke: Nein, die Krankenkassen haben nach § 127 SGB V das Recht zur selektiven Vertragsgestaltung mit den Leistungserbringern. Außerdem liegt hier der Sicherstellungsauftrag bei den Kassen. Es ist ihnen jedoch nicht gelungen, über eigene Verträge eine qualitative und wirtschaftliche Versorgung zu gewährleisten. Trotzdem wollen sie auch im vertragsärztlichen Bereich selektives Vertragsgestaltungsrecht erhalten. Das lehnen wir ab, denn Krankenkassen allein sind offensichtlich nicht in der Lage, die Gestaltungsverantwortung für die Qualität und Wirtschaftlichkeit zu übernehmen.

DÄ: Die Kassenärzte sind mit der Vielzahl der Produkte und technischen Varianten überfordert, sodass die Verordnungen eher allgemein gehalten sind und die darauf folgende Versorgungskette im Dunkeln bleibt. Was kann man ändern?
Aubke: Es ist äußerst unbefriedigend aus der Sicht des für die ambulante Versorgung verantwortlichen Arztes, dass ihm von den Krankenkassen keine ausreichende Transparenz über die Hilfsmittelversorgung gegeben wird. Bei Arzneimitteln ist der Druck sehr groß, so kostengünstig wie möglich zu verordnen – bei Hilfsmitteln scheint die Wirtschaftlichkeit keine Rolle zu spielen. Der Arzt müsste, entsprechend seiner Verantwortung für den Patienten, viel mehr in den Versorgungsprozess mit Hilfsmitteln eingebunden werden.

DÄ: Es gibt auch Vorwürfe gegen Ärzte, dass sie sich finanziellen Anreizen, beispielsweise eine gezielte Verordnung auf Leistungserbringer XY auszustellen, nicht entziehen.
Aubke: Das sind Einzelfälle, was aber das individuelle ärztliche Fehlverhalten nicht entschuldigen soll. Wäre der Hilfsmittelmarkt nicht so unübersichtlich, gäbe es gar keine Möglichkeit, sich in diesem zwielichtigen Anreizsystem zu bewegen. Hier müssen wir ansetzen.


Dr. med. Wolfgang Aubke, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
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