ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Aids/Südafrika: Aids-Aufklärung krankt an der Schambarriere

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Aids/Südafrika: Aids-Aufklärung krankt an der Schambarriere

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1608 / B-1379 / C-1282

Starke, Wolfgang

Zu dem Beitrag „David gegen Goliath“ von Heike Korzilius in Heft 17/2001:
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LNSLNS Auch ich freue mich über den Ausgang der außergerichtlichen Einigung über den Zugang zu HIV-Medikamenten für die Menschen der Republik Südafrika. Der Schwerpunkt der aktuellen Berichterstattung in allen Medien über Zugang zu antiretroviralen Medikamenten erweckt den Eindruck eines großen Schritts nach vorne im Management der HIV-Epidemie insbesondere im südlichen Afrika. Ich weise darauf hin, dass auch bei uns in Deutschland und in anderen europäischen Ländern die HIV-Medikation nur zu einer geringen Begrenzung der Epidemie geführt hat. Der Erfolg bei uns lag im Bereich einer offensiven Prävention durch die Betroffenen-Gruppen und Medienkampagnen und durch breite Unterstützung der Gesundheitspolitik. Wesentlich erleichtert wurde dieser Aufklärungsprozess durch eine seit den 60er-Jahren sich entwickelnde Thematisierung von Sexualität in allen gesellschaftlichen Schichten. Diese Voraussetzung besteht in keiner Form im südlichen Afrika. Persönliche und öffentliche Dialoge über Sexualität sind sozial und religiös tabuisiert. Die Aids-Aufklärung krankt an der Schambarriere.
Auch ich frage mich immer wieder, was kann ich als HIV-Behandler für die Menschen in betroffenen Ländern zu ihrer Unterstützung tun. Ich kann wie jeder andere von uns kleine Schritte tun, beispielsweise in der kirchlichen Gemeinde anfragen, in welcher Weise unsere Landeskirche oder auch hiesige Gemeinden, die Partnergemeinden im südlichen Afrika haben, sprachliche Auseinandersetzungen mit dem Thema Sexualität und Kondombenutzung fördern.
Meiner Meinung nach haben wir diese Veranwortung, da wir in vorangegangenen Epochen unserer Religionsvorstellungen erfolgreich in diesen Ländern missioniert haben . . . Wir werden uns im Jahr 2010 voraussichtlich fragen müssen, was wir zur Verhinderung von 15 Millionen HIV-Infizierten, Aids-Kranken und Toten getan haben. Im Jahr 2015 werden wir uns die Frage angesichts von 25 Millionen stellen müssen.
Wolfgang Starke, Goebenstraße 31, 65195 Wiesbaden
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