ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Maßregelvollzug – Grotesk: Exklusiv-Burgen für Straffällige

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Maßregelvollzug – Grotesk: Exklusiv-Burgen für Straffällige

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1610 / B-1381 / C-1284

Günther, Heinrich

Zu dem Beitrag „Auch Therapie bedeutet Sicherheit“ von Petra Bühring in Heft 12/2001:
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LNSLNS In einem Umfeld hier im Osten, in dem der Wegzug der jungen Generation epidemische Ausmaße annimmt und die gesamte soziokulturelle Stabilität aufs höchste bedroht ist, wirken die Investitionen von zig Mill. DM in die „Weststandard“-Unterbringung weniger psychisch kranker Straftäter auf mich grotesk.
An den Stammtischen im Land dürfte wohl noch kritischer über den Umgang des Staates mit Kriminellen gesprochen werden, denn man vergleicht es mit der Lebensrealität der großen Zahl anständiger Leute, die sich trotz harten Alltags an Sitten und Normen halten! Man hört auch im Sprechzimmer gelegentlich von diesem Frust des „Normalbürgers“ über die riesigen Investitionen in Polizei, Gefängnisse, Maßregelvollzug. Im Lande vermisst man Zukunftsorientierung. Nicht die Super-Therapiebedingungen für Straftäter, sondern die Investitionen in Wohnen, Arbeiten, Zeit für elterliche Zuwendung, musische Bildung usw. sind wirklich dringend notwendig, um einen zukünftigen Flächenbrand an soziokultureller Instabilität und Kriminalität zu verhindern. Gelingt dies nicht, dann werden schon in wenigen Jahren die wenigen teuren Plätze in den Exklusiv-Burgen des Maßregelvollzuges in einem grotesken Verhältnis zur Zahl der Straffälligen stehen.
Dr. Heinrich Günther, Lönsstraße 12, 01259 Dresden
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