ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Klinische Erfahrungen mit Atosiban: Atosiban deutlich teurer als Fenoterol

MEDIZIN: Diskussion

Klinische Erfahrungen mit Atosiban: Atosiban deutlich teurer als Fenoterol

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1628 / B-1398 / C-1301

Wenderlein, Matthias

zu dem Beitrag Neuer Oxytocin-Rezeptorantagonist zur Wehenhemmung von Dr. med. Holger Maul Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Winkler Prof. Dr. med. Werner Rath in Heft 50/2000
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LNSLNS Eine Frauenklinik mit 2 200 Geburten im Jahr und benachbartem Neonatalzentrum verbraucht Fenoterol zur Wehenhemmung jährlich für 6 500 DM. Würde die Hälfte der Tokolysen zum Beispiel zur 48-stündigen Lungenreifung bei Frühgeburtsbestrebungen durch Atosiban als Oxytocin-Rezeptorantagonist ersetzt, so ergäbe dies jährlich 156 000 DM Mehrkosten. Jede geburtshilfliche Abteilung kann die Mehrkosten wie folgt abschätzen: Für Fenoterol über 48 h zur fetalen Celestan-Lungenreifung werden bei 30 ml/h über Infusion 12 Ampullen à 0,5 mg verabreicht: Kosten 39 DM. Erfolgt mit Atosiban eine 48-Stunden-Wehenhemmung, so werden 330 mg beziehungsweise eine Bolus-Ampulle für je 62 DM plus 9 Ampullen à 37,5 mg für je
203 DM verbraucht: Kosten 1 889 DM. Damit liegen die Kosten beim Einsatz des Oxytocin-Rezeptorantagonisten fast 50-mal höher als von Betasympathomimetika.
Wird Magnesium i.v. als Alternative gewählt, so sind die Kosten von 1 g Magnesium pro Stunde hochzurechnen: Für 48 h werden 10 Ampullen à 5 g verbraucht: Kosten 8 DM. Dieses Zusatztokolytikum ist bei ausgeprägter Gestose und damit verbundener Hyperreflexie sowie hoher Krampfbereitschaft angezeigt. Beim Wechsel von Betasympathomimetika zu Oxytocin-Rezeptorantagonisten, sollte Folgendes bedacht werden. Fenoterol wurde vor 25 Jahren eingeführt. In den ersten Anwendungsjahren wurden schwerwiegende Lungenkomplikationen, zum Beispiel Lungenödem mit Todesfolge, beschrieben. Seit über zehn Jahren gibt es durch strikte Indikations- beziehungsweise Therapieanweisungen nicht mehr so fatale Verläufe. Atosiban ist vom wehenhemmenden Wirkmechanismus her theoretisch sinnvoll in der Wehenregulationskaskade. Es wird gleich die Wehenstimulation blockiert mittels Oxytocin-Rezeptorantagonisierung. Betasympathomimetika hemmen „später“: Sie hemmen die Myometri-
umkontraktion. Überraschend ist die Tractocile-Limitierung auf die 24. bis
33. Schwangerschaftswoche bei Muttermunderöffnung nicht über 3 cm. Kompliziert sind bei Tractocile drei verschiedene Infusionskonzentrationen. Warum mit Tractocile keine Infusionsdauer über 48 h hinaus erfolgen soll, wird nicht begründet. Danach sollen Alternativen erwogen werden – also Fenoterol? Überraschend ist, wie viele Kontraindikationen zu Tractocile angegeben werden, die geburtshilflicher Art sind. Fenoterol gibt mehr ärztliche Entscheidungsmöglichkeiten. Tractocile wirkt nicht nur auf den Uterus. Das machen die Nebenwirkungen bei circa der Hälfte der Anwendungsfälle deutlich. Die Symptome sind nicht so typisch wie bei Fenoterol. Tractocile-Tokolyse sollte lange genug vor einer eventuellen Geburt erfolgen und nicht wiederholt werden für sieben Tage nach Tokolyse-Beginn. Eine generelle Umstellung der Wehenhemmung von Fenoterol auf Atosiban ist nicht gegeben. Zur gezielten Alternativanwendung der neuen Substanz Atosiban gegenüber Fenoterol fehlen derzeit klinische Studien.

Prof. Dr. med. Matthias Wenderlein
Universitäts-Frauenklinik
Prittwitzstraße 43, 89075 Ulm

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