ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Myasthenia gravis und myasthene Syndrome: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Myasthenia gravis und myasthene Syndrome: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1629 / B-1399 / C-1302

Sieb, Jörn Peter

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Jörn Peter Sieb Dipl.-Biol. Simone Kraner Wolfgang Köhler Dr. med. Berthold Schalke Dr. med. Ortrud K. Steinlein in Heft 51–51/2000
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LNSLNS Frau Hausmann fragt, inwieweit Umwelt- beziehungsweise Ernährungsfaktoren, wie zum Beispiel eine Schwermetallbelastung, an der Entstehung von autoimmun bedingten Erkrankungen der neuromuskulären Signalübertragung, wie der Myasthenia gravis, beteiligt sein könnten. Hierfür gibt es keine begründeten wissenschaftlichen Hinweise. Insbesondere ist ein „antigenes Mimikry“ als Myasthenie-Ursache nur bei der paraneoplastischen Myasthenie experimentell belegt. Nach dieser Hypothese sollen eigene oder exogene Antigene, die Epitopen am nikotinischen Acetylcholinrezeptor ähneln, autoreaktive T-Zellen aktivieren und damit die Myasthenie auslösen. Wir hatten darauf hingewiesen, dass die Myasthenie-Sterblichkeit ursprünglich erheblich war. Etwa ein Drittel der Patienten verstarb meist in den ersten Jahren der Erkrankung. Heute haben sich Prognose und Lebensqualität maßgeblich verbessert. Selbst zu myasthenen Krisen, also der Ausbildung einer respiratorischen Insuffizienz, kommt es nur noch bei weniger als fünf Prozent der Myasthenie-Patienten, wobei hier überwiegend Therapiefehler, wie beispielsweise das vorzeitige Beenden einer Immunsupression, oder Infektionen ursächlich sind. Diese günstige Entwicklung beruht auf den differenzierten Optionen der modernen Myasthenie-Therapie, auf die wir kurz hingewiesen hatten. Insbesondere die Langzeit-Immunsuppression, zum Beispiel mit Azathioprin, hat die Prognose der Myasthenia gravis entscheidend verbessert. Unbedingt sollte die Myasthenia gravis konsequent behandelt werden und diätetische Maßnahmen können allenfalls begleitend empfohlen werden. Aufgrund des seltenen Vorkommens sollte die Behandlung der Myasthenie-Patienten am besten in Zusammenarbeit mit einer speziellen Myasthenie-Sprechstunde erfolgen. Entsprechende Adressen können bei der Deutschen Myasthenie-Gesellschaft erfragt werden (Langemarckstraße 106, 28199 Bremen, Telefon 04 21/59 20 60, E-Mail: dmg-info@t.online.de).
Priv.-Doz. Dr. med. Jörn Peter Sieb
Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstraße 2–10, 80804 München
E-Mail: sieb@mpipsykl.mpg.de

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