ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Betriebswirtschaft: Vorbild für staatliche Hochschulen

VARIA: Bildung und Erziehung

Betriebswirtschaft: Vorbild für staatliche Hochschulen

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): A-1635 / B-1403 / C-1288

Bühring, Petra

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LNSLNS „International Campus“ in Köln bietet ein Wirtschafts-Studium nach angloamerikanischem Muster an. Trotz Wettbewerbsnachteilen ist der Erfolg beachtlich.

Die Absolventen der „International Campus – Cologne Business School“, der Privathochschule der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie in Köln, halten nach drei bis vier Jahren einen englischen Studienabschluss in der Hand: den Bachelor of Arts (B.A.), der dem deutschen Fachhochschulabschluss entspricht. Verliehen wird der international anerkannte Abschluss von der University of Hertfordshire, England, dem Kooperationspartner von IC. Angeboten werden vier Spezialisierungen, die beliebtesten sind zurzeit der Europabetriebswirt (B.A. Honours in European Business Administration) und der Medienbetriebswirt, gefolgt vom B.A. mit den Schwerpunkten Asien und Tourismus.
Die Wirtschaft nimmt den Bachelor an
Über Studienbewerber kann die private Hochschule trotz Gebühren von rund 1 300 DM monatlich nicht klagen. Die vor acht Jahren eröffnete Schule muss mit strengen Auswahlverfahren inzwischen unter rund 300 Bewerbern für 100 Plätze entscheiden. Die Absolventen haben gute Chancen: „Die Aufnahme der Wirtschaft ist außerordentlich gut“, sagt der Direktor Frank Scholz. „Einstiegsgehälter von 90 000 DM sind keine Seltenheit.“ Da der Titel international anerkannt ist, findet sich auch leicht ein Job im Ausland. Darauf werden die Studenten durch intensives Sprachtraining vorbereitet: zwei Fremdsprachen sind Pflicht, ab dem dritten Semester wird der Unterricht in Englisch abgehalten. Das macht International Campus auch für ausländische Studenten interessant. Angewandt werden können die Sprachen während eines Aufenthalts an einer der 15 Partneruniversitäten weltweit und bei Firmenpraktika im Ausland. Die Schule legt Wert auf die Vermittlung von „soft skills“: soziale Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit. Die Studenten müssen sich im ständigen Präsentieren üben, zum Beispiel die Ergebnisse der zahlreichen Projekte.
Zum Vergleich: Ein Student der Betriebswirtschaftslehre an einer staatlichen Universität studiert nicht drei bis vier Jahre, sondern im Durchschnitt sechs Jahre; um das Sprachenlernen muss er sich selbst kümmern und auch den Chancen-verbessernden Auslandsaufenthalt selbst organisieren, dessen Anrechnung auf das deutsche Studium oft schwierig ist. Mit Präsentationen werden die meisten erst in der Praxis konfrontiert.
Anderes als bei den allgemein bildenden Schulen werden private Hochschulen nicht von der öffentlichen Hand finanziell unterstützt. Eine Ausnahme bildet die Universität Witten/Herdecke, die zu 20 Prozent vom Land finanziert wird. Folglich müssen die Privatanbieter Sponsoren finden und Studiengebühren erheben, worin ein deutlicher Wettbewerbsnachteil liegt. Eine Selektionierung der Studienbewerber nach den Finanzierungsmöglichkeiten sei die Folge, beklagt Scholz.
Die ersten privaten Hochschulen mit Studienprogrammen nach angloamerikanischem Vorbild öffneten Anfang der 90er-Jahre. Ermöglicht haben dies die Bildungsrichtlinie der Europäischen Union (EU) von 1988 sowie die geltende Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU. „Trotz massiver Anfeindungen etablierter staatlicher Strukturen waren diese Modelle nicht zu beanstanden“, erinnert sich Scholz. Inzwischen gibt es einige renommierte Privathochschulen, die durch eine volle oder teilweise Anerkennung ihrer Ausbildung durch ausländische staatliche Universitäten Gleichwertigkeit mit deutschen Fachhochschulen erreicht haben (Grafik). Doch weil sie nicht nach deutschem Recht arbeiten, werden die privaten Hochschulen nicht in den Broschüren der Ministerien aufgeführt. Auch die Hochschul-Rankings der Medien ignorierten sie bisher. „Ein deutlicher Wettbewerbsnachteil“, meint Scholz.
Akkreditierung durch unabhängige Gutachter
Künftig werde weniger die Anerkennung durch deutsche Ministerialbehörden eine Rolle spielen, sondern die Akkreditierung durch unabhängige Gutachter, wie es in Großbritannien und den USA seit langem üblich ist. Ein solcher Gutachter ist FIBAA (Foundation for International Busyness Administration Accreditation), Bonn, eine Internationale Stiftung der Wirtschaft für Qualität im Managementtraining. International Campus besitzt das Gütesiegel von FIBAA.
Seit zweieinhalb Jahren werden auch an staatlichen Universitäten und Fachhochschulen Studiengänge nach angloamerikanischem Vorbild angeboten. Mehr als 500 Bachelor- oder Master-Programme in allen Fachbereichen gibt es inzwischen, stellte das Wittenberger Institut für Hochschulforschung fest. Das neue Konzept soll die hohen Studienabbrecherquoten senken und die Studiendauer verkürzen. Wieder einmal haben die privaten Schulen Vorreiterfunktion. Petra Bühring


Auch in Köln verlangt ein englischer Studienabschluss nach traditioneller Robe.
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