VARIA: Schlusspunkt

Aktien: Hui & Pfui

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): [92]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann ist meist Holland in Not. Noch eine Flutmarke höher kann dieses Bonitätsurteil indes für die niederländische Kommunikationsgesellschaft KPN gesetzt werden. Bei genauem Hinsehen steht KPN das Wasser sogar Oberkante Unterlippe, wenn nicht höher.
In der Hager Zentrale läuten mittlerweile alle Alarmglocken; die Existenz des gesamten KPN-Konzerns scheint bedroht. Die Aktien sind
in einem atemberaubenden Sturmlauf nach unten gestürzt, der Verlust vom Zwölfmonatshoch macht mittlerweile saftige 90 Prozent aus.
Das Desaster in der Börsennotiz hat sehr substanzielle Auswirkungen. KPN braucht nämlich dringend Geld, da
der Konzern unter einem Milliarden großen Schuldenberg ächzt. Das Reinholen von frischem Geld via Kapitalerhöhung ist zwar prinzipiell kein Problem, aber eben nur bei einem vernünftigen Kurs. Den aber hat die KPN-Aktie durch den erlittenen Tiefschlag nun einmal längst unterschritten.
Somit steigen die Schulden weiter und weiter. Der bei KPN angehäufte Fremdkapitalhaufen beläuft sich mittlerweile auf 23,3 Milliarden Euro. Alleine im zurückliegenden Quartal müssten 454 Millionen Euro alleine für Zinszahlungen aufgewendet werden. Wie das auf Dauer gut gehen soll, wenn im operativen Geschäft Verluste gemacht werden, lässt sich leicht mit „Nein“ beantworten.
Warum ich Ihnen das alles schreibe? Zunächst einmal, damit Sie KPN-Aktien und KPN-Anleihen mit allergrößter Vorsicht behandeln. Aber auch, um einen Hinweis in Richtung Deutsche Telekom zu geben.
Schon beim Börsengang habe ich auf den ziemlich hohen Schuldenstand auch beim Bonner Konzern hingewiesen und mir dabei – zunächst – mit der Meinung den Mund verbrannt, die Aktie sei bestenfalls 10 bis 15 Euro wert.
Wenn ich auch nicht glaube, dass die Deutsche Telekom AG akut in Existenznöte kommt, halte ich den Konzern nach wie vor für drastisch verschuldet. Das Abtauchen des Kurses unter die Marke von 20 Euro würde mich keinesfalls überraschen, zumal Vorstandschef Ron Sommer auf der letzten Haupt­ver­samm­lung nur Sprechblasen von sich gab, was die Zukunft des Unternehmens anlangt. Außen hui und innen pfui.
Was aber tun mit dem frei werdenden Geld? Es hat ja wenig Sinn, Schlechtes mit Schlechtem zu tauschen. Mit der Aktie der Hannover Rück bietet sich meines Erachtens eine bessere Alternative. Die Aktie hat vom Klang her einen eher provinziellen Anstrich, hat es aber faustdick in sich, und zwar im positiven Sinne.
Zum einen zählt Hannover Rück im Rückversicherungsgeschäft auch global zu den größeren Akteuren, und zum anderen spiegelt der aktu-
elle Kurs die guten Unternehmenszahlen kaum wider.
Mein Kursziel liegt bei 130 Euro.
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