ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2001Langsame Brüter in Mainz

VARIA: Schlusspunkt

Langsame Brüter in Mainz

Dtsch Arztebl 2001; 98(24): [92]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Die Kollegin Dr. med. Bergit Brendel freut sich schon. Ein paar Schritte von ihrer dermatologischen Praxis entfernt findet vom 23. Juni bis 1. Juli in der Mainzer Rheingoldhalle das Chess Classic Mainz 2001 statt.
Am ersten Wochenende kann sie wahlweise gegen einen der Weltmeister, den Inder Viswanathan Anand (Weltschachbund Fide) oder den Russen Wladimir Kramnik (Braingames) im Simultanspiel antreten. Mittlerweile haben wir Schachspieler paradiesische Zustände wie im Boxen und können mit Weltmeistern nur so um uns werfen. Bei Bedarf stehen auch noch Garry Kasparow und Bobby Fischer bereit. Ersterer verlor zwar gegen Kramnik, betrachtet sich aber nach wie vor als weltbesten Spieler, dem das „Interregnum“ Kramniks ein Gräuel ist: „Kramniks Schach darf nicht dominieren!“, Letzterer tönt aus seinen diversen Verstecken, auf der Flucht vor der Welt und sich selbst, die anderen seien nur Scharlatane, der einzig rechtmäßige Weltmeister sei immer noch er. Voilà, eine aparte Mischung mit Scharmützeln wie im griechischen Pantheon.
Aber da gibt’s auch das Schnellschach-Open. Augenblickliche Entscheidungsfreude ist hier gefragt. „Nicht denken, nur ziehen“, überspitzt es ein Schachspruch. Jean-Jaques Rousseau, übrigens auch ein Schachspieler, sagte es anders: „So wage ich fast zu behaupten, dass der Zustand der Reflexion ein widernatürlicher ist und dass der Mensch, der denkt, ein entartetes Tier ist.“
Tja, wie steht es nun mit Schach als Spiel der Denker und Geistesheroen? Vielleicht so schlecht auch wieder nicht, wenn ab dem 26. Juni Anand und Kramnik sich in einem Match über sechs Partien gegenübersitzen und wohl trotz knapper Bedenkzeit tiefsinnige Kombinationen aufs Brett zaubern, für die Zuschauer dank großer Bildschirme live mitzuerleben und von Großmeistern (Vorsicht, einer bin ich!) über Kopfhörer simultan erläutert.
Darüber hinaus gibt es ein Match im „Fischer Random Chess“ (dabei wird die Aufstellung der Figuren der Grundreihen ausgelost – zuweilen hat „crazy, old Bobby“ auch gute Ideen) zwischen dem Engländer Mickey Adams und dem Ungarn Peter Leko, obendrein wollen beide dem Schachprogramm „Fritz“, welches naturgemäß noch weniger als wir Menschen denkt, zeigen, dass eine Prise Denken gelegentlich auch förderlich ist. Jetzt aber Schach pur. In einem dramatischen Ringen letztes Jahr hatten Schirow und Kramnik nur noch Sekunden auf der Uhr. Hier zog Schirow 1. Kb7?, wonach 1. . . .Td1 2. Kc7 wegen 2. . . .Txd7+! Remis ergab. Wie hätte er indes als Weißer gewinnen können?

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