ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2001Kassenärzte Ost: Alleingang

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Kassenärzte Ost: Alleingang

Dtsch Arztebl 2001; 98(25): A-1645 / B-1413 / C-1309

Richter, Eva A.

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LNSLNS Ein merkwürdiger Vorgang sorgt derzeit für Unmut: die „Institutionalisierung“ der ostdeutschen Kassenärzlichen Vereinigungen (KVen). Die Bildung dieser neuen Struktur haben die Vorstandsmitglieder aller Ost-KVen auf einer Krisensitzung am 13. Juni in Potsdam beschlossen. Sie soll „die berufspolitischen und gesundheitspolitischen Aktivitäten zur Verbesserung der ambulanten Versorgung koordinieren sowie die Interessen der ostdeutschen Ärzteschaft gegenüber der Politik, den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vertreten“, heißt es in der Pressemitteilung.
Dass damit ein eigener Länderausschuss Ost gegründet worden ist, bestreitet der Vorsitzende der KV Mecklenburg-Vorpommern, Dr. med. Wolfgang Eckert, nicht. Ein solcher Begriff sei gefallen. Aus der losen Zusammenkunft der Vorsitzenden der ostdeutschen KVen soll nun eine feste Einrichtung werden. Das Gremium will die Interessen der Ost-KVen geschlossen vertreten – auch gegenüber der KBV.
Bisher sei im KBV-Vorstand die Sensibilität gegenüber den spezifischen Problemen des ostdeutschen Gesundheitswesens mangelhaft, bedauerte Dr. med. Hans-Joachim Helming, Vorsitzender der KV Brandenburg. Besonders die Diskussionen über die Einführung des Wohnortprinzips für überbereichliche Krankenkassen hätten deutlich gemacht, dass das Konfliktpotenzial von den West-KVen noch nicht erkannt worden sei. „Wir wollen keine Almosen“, betonte Eckert. „Doch wir werden unsere eigenen Interessen vertreten und uns gegen Tendenzen wehren, die zulasten des Ostens gehen.“ In der Vergangenheit hätte es Fälle gegeben, bei denen Ost- von West-KVen über den Tisch gezogen worden seien.
Mit Skepsis betrachtet der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundes-
vereinigung, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, die „Institutionalisierung“. Würden die ostdeutschen Ärzte nur gezielt auf ihre Probleme aufmerksam machen wollen, hätte er Verständnis für die Treffen, nicht jedoch, wenn es sich um einen ostdeutschen Länderausschuss handeln sollte.
Tatsächlich wird der KBV bei der Vertretung der kassenärztlichen Interessen gegenüber der Politik eine Zersplitterung nicht gerade förderlich sein. Bereits jetzt gibt es unterschiedliche Strömungen. So stehen ärztliche Psychotherapeuten den Psychologischen Psychotherapeuten gegenüber und Hausärzte den Fachärzten. Folgt nun eine Front Ost gegen West? Der gesamten Kassenärzteschaft wird diese Entwicklung auf Dauer nicht gut tun. Trotz Konflikten und berechtigter Forderungen einzelner Gruppen sollte sie sich nicht auseinander dividieren. Dr. med. Eva A. Richter
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