ArchivDeutsches Ärzteblatt25/200150 Jahre Partnerschaft : Deutsches Ärzteblatt und Druckhaus L.N. Schaffrath

THEMEN DER ZEIT

50 Jahre Partnerschaft : Deutsches Ärzteblatt und Druckhaus L.N. Schaffrath

Dtsch Arztebl 2001; 98(25): A-1668 / B-1431 / C-1327

Maus, Josef

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LNSLNS Woche für Woche erscheint eine neue Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes – gedruckt in Geldern am Niederrhein. Seit einem halben Jahrhundert arbeiten Verlag, Redaktion und Druckerei zusammen.

Wenn die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes kurz vor Mitternacht auf dem Ärztetag in Cottbus aus aktuellem Anlass entscheidet, die bereits fertig produzierte Titelseite der nächsten Ausgabe auszutauschen, dann liegen rund 700 Kilometer weiter westlich, in Geldern am Niederrhein, die Nerven blank. In der Druckerei L.N. Schaffrath herrscht jetzt Ausnahmezustand. Die engen Druckpläne drohen zu kippen. Wenige Stunden später soll die Auslieferung beginnen: rund 350 000 Ärzteblätter müssen zu den Lesern.
Die „Cottbusser Aktion“ liegt inzwischen zwei Jahre zurück – und sie ging glatt. Am folgenden Tag hielten die Delegierten des 102. Deutschen Ärztetages das neue Heft in der Hand – druckfrisch und bereits mit der Berichterstattung über die Eröffnung des Ärztetages.
Dass derart kurzfristige Reaktionen auf aktuelle Ereignisse überhaupt möglich sind, liegt an der modernen Technik, hauptsächlich aber an einer professionellen Partnerschaft, die seit einem halben Jahrhundert währt. Das Deutsche Ärzteblatt wird seit 50 Jahren bei Schaffrath in Geldern gedruckt. Das Unternehmen ist mit dem Ärzteblatt gemeinsam gewachsen und zählt heute zu den 20 größten Druckhäusern in der deutschen Presselandschaft. Anfangs im Bleisatz, später im Fotosatz und heute in digitaler Computertechnik produziert, spiegelt die Herstellung des Deutschen Ärzteblattes die technische Revolution einer ganzen Branche wider. Während früher mitunter Wochen zwischen einem Ereignis und der Berichterstattung darüber lagen, steht heutzutage am Mittwoch im Ärzteblatt, was am Montag zuvor passiert ist.
Der deutliche Zuwachs an Aktualität hat Gründe: Redaktion und Druckerei haben kontinuierlich „aufgerüstet“ und mit den neuesten Entwicklungen Schritt gehalten. In Köln, dem Sitz der Redaktion, entstehen die Beiträge im so genannten Ganzseitenumbruch. Das heißt: Die Texte werden am Computer in vorgefertigte Musterseiten eingegeben und von der technischen Redaktion in Verbindung mit Fotos, Abbildungen und Tabellen abschließend gestaltet. Die „Daten“ fließen täglich von Köln nach Geldern (und zur Kontrolle zurück), denn das Ärzteblatt entsteht in mehreren Etappen: die Politik, die Medizin, der Variateil, die Bekanntgaben und die Anzeigen sind Teile eines Puzzles, das am Ende der Produktionswoche bei Schaffrath zum ganzen Heft zusammengefügt wird.
Karl-Heinz Kremers und Theo van de Wal sehen Anfang und Ende der Produktionskette. Die beiden Hersteller betreuen als Team und im Wechsel das Ärzteblatt bereits seit vielen Jahren. Sie sind Dreh- und Angelpunkt in Geldern und tägliche Ansprechpartner der Redaktion in Köln. Über ihren Schreibtisch laufen alle Seiten, sie koordinieren die einzelnen Arbeitsschritte und behalten (wie auch immer) den Überblick.
Allwöchentlich dienstags tagt in Köln die Redaktionskonferenz. Sie legt die Themen und deren Reihenfolge im Heft fest. Unterdessen hat die Anzeigenabteilung die Inserate platziert – zwei voneinander völlig unabhängige Vorgänge. Redaktionsseiten und Anzeigen werden in Geldern zusammengefügt.
Aus in der Regel jeweils 16 Heftseiten entsteht ein Druckbogen, der auf Film belichtet und auf eine Druckplatte geprägt wird. Die Platte ist dann das Material, aus dem hochmoderne Rollenoffset-Maschinen endlos lang scheinende Papierbahnen bedrucken – in einer Geschwindigkeit von rund neun Meter pro Sekunde. Die Druckvorgänge wie auch die verschiedenen Vorstufen verlangen höchste Präzision und jene jahrelange Erfahrung, die man nicht messen, aber am fertigen Produkt ablesen kann.
Die „Schaffrather“ verfügen über diese Erfahrung. Wenn in Geldern die Maschinen laufen, greift ein Rädchen ins andere. Papierrollen von gigantischem Ausmaß (pro Rolle rund 1,2 Tonnen Gewicht und 20 000 Meter Papierlänge) werden eingespannt, die Druckstraße muss eingerichtet werden. Drucker kontrollieren Farbe und Druckbild und sehen zu, dass keine Störung den Hochgeschwindigkeitsprozess zum Erliegen bringt. Zeit ist knapp, Zeit entscheidet über die pünktliche Zustellung der Hefte.
Ein durchschnittliches Ärzteblatt besteht mit seinen drei Ausgaben (für niedergelassene Ärzte, Krankenhausärzte und sonstige Ärzte) aus rund 15 Druckbogen plus 80 Seiten Kleinanzeigen, die bei 350 000 Exemplaren rund neunzig Tonnen Papier benötigen. Der Druck dieser Auflage dauert etwa drei Tage. Würde man das Ärzteblatt von heute mit der Technik von 1951 drucken, ginge mehr als ein Jahr ins Land, bis eine einzige Ausgabe fertig gestellt wäre.
Bevor allwöchentlich in der Nacht von Montag auf Dienstag die LKW mit den ersten Heften vom Hof rollen, ist die Buchbinderei gefordert. Dort werden die Ärzteblätter gebunden und auf Paletten gestapelt. Die Fahrt geht nach Köln – zur Versandabteilung des Deutschen Ärzte-Verlages. Etwa um sechs Uhr früh treffen die Hefte ein, um schließlich die Reise zum Leser anzutreten.
L.N. Schaffrath druckt nicht nur das Ärzteblatt. Das Unternehmen produziert rund 130 Titel – unter anderen die Pharmazeutische Zeitung, Die Deutsche Polizei und Emma. Das Ärzteblatt war und ist aber das mit Abstand größte Objekt. Von den 400 Mitarbeitern bei Schaffrath sind rund 50 unmittelbar und ausschließlich mit dem DÄ befasst.
Dass zwei Unternehmen seit einem halben Jahrhundert zusammenarbeiten, mag sich in der heutigen „Wirtschaftskultur“ etwas exotisch ausnehmen. Verlag und Redaktion des Deutschen Ärzteblattes sehen das uneingeschränkt positiv: Verlässlichkeit, Professionalität und Flexibilität in der gemeinsamen Arbeit sind Eigenschaften, ohne die eine erfolgreiche Entwicklung über Jahrzehnte hinweg nicht denkbar wäre. Unser Partner am Niederrhein bringt diese Eigenschaften mit. Wir, die Redaktion, vor allem aber die Leserinnen und Leser des Deutschen Ärzteblattes profitieren davon. Josef Maus

Dreh- und Angelpunkt: Hersteller Karl-Heinz Kremers behält den Überblick.


Layout: Feinschliff an den Seiten

Druckbogen: 16 Seiten pro Einheit

Film: passgenau auf den Millimeter

Film: passgenau auf den Millimeter

Plattenstraße: Entwicklung

Rollenoffset: Neun Meter pro Sekunde

Farbmischung ist Druckerkunst.

Kollege Roboter stapelt endlos Hefte.


90 Tonnen Papier je Ausgabe

Das einzelne Heft liegt leicht in der Hand, die gesamte Ausgabe hingegen „wiegt“ schwer. Hochmoderne Offset-Maschinen ziehen die Papierbahnen in einem unglaublichen Tempo durch. Die Rollen wiegen rund 1,2 Tonnen und stapeln sich in Geldern zu riesigen Türmen. Die reibungslose Produktion einer Zeitschrift in Massenauflage ist nicht nur eine Frage der technischen Ausstattung, sondern auch eine logistische Herausforderung an das Druckhaus und den Verlag. 350 000 Ärzteblätter „gehen ins Papier“.

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