ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2001Gesundheitsmanagement: Über den Atlantik geblickt

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Gesundheitsmanagement: Über den Atlantik geblickt

Dtsch Arztebl 2001; 98(25): A-1671 / B-1435 / C-1330

Andresen, Jan

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LNSLNS Die Mayo-Klinik stellte ihr Gesundheitssystem vor.

Wir sind hier, um von ihnen zu lernen“ – mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Rolland Dickson, Entwicklungsdirektor der Mayo-Foundation, das Symposium „New Perspectives in Health Care and Management: The Mayo Case“ in Berlin. Die Mayo-Klinik, 1863 von Dr. William Worall Mayo in Rochester, Minnesota, gegründet, ist das größte private medizinische Zentrum der Welt. Es finanziert sich aus gestaffelten Mitgliederbeiträgen und Spenden. „Seit über einem Jahrhundert verbinden wir damit erfolgreich Gesundheitsfürsorge, Forschung und Lehre“, erklärte Dickson. Heute arbeiteten im Gesundheitssystem der Mayo-Klinik über 35 000 Personen, davon 2 000 Ärzte. Fast eine halbe Million Patienten werde pro Jahr behandelt. Doch auch in den USA werde mit Sorge beobachtet, dass die Patienten immer älter und multimorbider werden, kürzer in der Klinik verweilen, der ambulante Bereich wächst und neue Technologien integriert werden müssen.
Ähnliche Probleme
Dass professionelles Management im Gesundheitsbereich wichtiger denn je ist, bekräftigte Prof. Dr. med. Stefan Willich, Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozialmedizin und Epidemiologie an der Charité, Berlin. Es sei künftig unerlässlich, kleinere und effektivere Einheiten zu bilden und konventionelle und komplementäre Medizin besser aufeinander abzustimmen. Nur so wäre eine ärztliche Behandlung bezahlbar, die langfristig das Wohl des Patienten gewährleiste. Beide Seiten betonten, dass nicht nur wirtschaftliche Aspekte entscheiden dürften. „Verwaltung und ärztliche Leitung arbeiten bei uns sehr eng zusammen“, berichtete Dickson. Die Führungsrolle komme aber immer dem Arzt zu.
Große Unterschiede zwischen den USA und Deutschland gibt es bei Forschung und Lehre. Eindrucksvoll zeigte Prof. Sherine E. Gabriel, Direktorin des Zentrums für patientenorientierte Forschung der Mayo-Klinik, wie eng die ärztliche Tätigkeit in den USA auch mit den Bereichen Forschung und Lehre verzahnt ist. Die Mayo-Klinik verfüge über zahlreiche Stiftungsprogramme, die patienten-orientierte Forschungsaktivitäten förderten. Darüber hinaus existiere ein eigenes Programm, in dem junge Mediziner mit der Forschung vertraut gemacht werden. Für Deutschland sieht Prof. Dr. Horst Domdey, Direktor des Innovations- und Gründerzentrums, Martinsried, in diesem Bereich großen Handlungsbedarf: „Im internationalen Vergleich wird bei uns zwar qualitativ hochwertig gearbeitet, aber bei der Quantität bestehen große Differenzen.“ Als problematisch erachtet er das strenge hierarchische System der deutschen Universitäten, das (noch) keine Junior-Professoren wie in den USA kennt.
„Unsere Grundlagenforschung kann sich sehen lassen“, meinte auch Dr. Lange, Leiter des Referats Gesundheitsforschung im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Aber im Bereich der klinischen und patientenorientierten Studien gebe es Defizite. Für Lange ist die Mayo-Klinik ein gutes Beispiel, wie wichtig der wissenschaftliche Erfolg für eine klinische Einrichtung ist. „Junge Leute gehen in die USA, um als Wissenschaftler Karriere zu machen. Das müssen wir ändern. Sie müssen stattdessen nach Deutschland zum Forschen kommen“, erklärte Lange. Hingegen betonte Dr. Ingo Härtel, Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ des Deutschen Bundestages, dass es in Deutschland genügend junge Ärzte gebe, die forschen wollen. Sie fänden jedoch neben der klinischen Arbeit keine Zeit für die Forschung. Dr. med. Jan Andresen
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