ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2001Fortbildung: Bedingungen

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Fortbildung: Bedingungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(25): A-1675 / B-1415 / C-1265

Nau, Peter

Zu dem Beitrag „Zertifiziert und freiwillig“ von Thomas Gerst in Heft 20/2001:
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LNSLNS Liest man den Artikel, so könnte man feststellen: Endlich findet eine geordnete Fortbildung der Ärzte statt. Doch leider finde ich, sieht die Umsetzung der zertifizierten Fortbildung im Alltag nicht so rosig aus: 150 Punkte in drei Jahren, abzüglich 30 Punkte für Selbststudium, macht 40 Punkte gleich 40 mal 3/4 Stunden pro Jahr. Das ist sicher eine angemessene Anzahl von Fortbildungsstunden pro Jahr. Doch wie kommt man nun an die begehrten Punkte? Ich wage ja gar nicht zu träumen von Fortbildungen, wie sie in anderen Berufszweigen üblich sind: volle Anrechnung der Fortbildungszeit auf die Arbeitszeit bei voller Vergütung, Übernahme aller damit verbundenen Unkosten, wie Kursgebühren und Übernachtungen – und das natürlich in Spitzenhotels – durch den Arbeitgeber. Aber es bereitet mir doch nicht unerhebliche Schwierigkeiten, als Angehöriger eines kleinen Fachgebietes, eine der Punktzahl entsprechende Anzahl von Fortbildungen in meinem Fachgebiet zu finden, die ohne einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand erreichbar sind. Ich habe natürlich auch die Möglichkeit, an Fortbildungen anderer Fachgebiete in meiner Region teilzunehmen, um dort die Punkte abzusitzen, aber das ist sicher nicht Sinn der Zertifizierung.
Des Weiteren wird die Zertifizierung von Veranstaltungen auch zum Teil sehr leichtfertig vergeben – wahrscheinlich, um eine genügende Anzahl von Veranstaltungen bereitstellen zu können –, denn ich habe schon Veranstaltungen, auch unter Inkaufnahme von großen Fahrstrecken, besucht, wo man sich hinterher fragte, wofür eigentlich die Zertifizierungspunkte verteilt wurden.
Ich meine, eine verstärkte Fortbildung aller Ärzte ist unbedingt notwendig und wünschenswert, aber doch unter angemessenen Bedingungen:
- Wenn der Gesetzgeber eine verstärkte Fortbildungsaktivität fordert, so dürfen die Kosten (Verdienstausfall, Fahrtkosten, Unterbringungskosten) dafür nicht alleine an den Ärzten hängen bleiben.
- Die Zertifizierung von Veranstaltungen sollte auch qualitative Unterschiede entsprechend der praktischen Relevanz der Fortbildung machen (ein Kursus hat sicher einen intensiveren Fortbildungswert als Vorträge über Fallstatistiken bei Meerschweinchen).
- Auch für Vertreter kleinerer Fachgebiete sollte es möglich sein, die Punktzahlen mit einem angemessenen zeitlichen und finanziellen Aufwand erreichen zu können und nicht nur durch eine große Reisetätigkeit quer durch die Republik.
- Es ist somit eine strukturierte, praxisrelevante Fortbildung zu fordern, die wohnortnah zum Beispiel im Rahmen von Vorlesungsveranstaltungen speziell für Fachärzte an den größeren Kliniken und Universitätskliniken erfolgt, im Sinne einer Fortsetzung des Studiums. Ich denke, wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wird jeder – denn wir alle sind ja brennend an einer guten Fortbildung interessiert – sehr rege sich fortbilden, und eine erzwungene Re-Zertifizierung ist völlig überflüssig.
Dr. med. Peter Nau, Gaußstraße 24, 38228 Salzgitter/Lebenstedt
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