ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2001Budenosid: Topisches Steroid wirkt auch bei Diarrhoe

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Budenosid: Topisches Steroid wirkt auch bei Diarrhoe

Dtsch Arztebl 2001; 98(25): A-1705 / B-1445 / C-1345

Vetter, Christine

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LNSLNS Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen sprechen gut auf die lokale Gabe des Kortikosteroids an.

Patienten mit chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ung kommen ohne Steroid oft nicht aus, und das gilt auch für die Langzeitbehandlung. Kortikoidtypische Nebenwirkungen werden damit vorprogrammiert. Die Gefahr lässt sich jedoch minimieren, wenn statt mit herkömmlichen Kortikoiden mit der lokal wirksamen Substanz Budesonid behandelt wird. Der Wirkstoff hat einen hohen First-Pass-Effekt und wird bei der ersten Leberpassage schon zu 90 Prozent abgebaut. Damit werden nur rund zehn Prozent systemisch wirksam, was laut Dr. Dietrich Hüppe (Herne) die gute Verträglichkeit des Budesonid erklärt.
Abklingen der Beschwerden bei Morbus Crohn
Dass dieses bei chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen dennoch klinisch sehr gut wirksam ist, belegt eine Praxistherapiestudie bei 419 Morbus-Crohn-Patienten, deren Ergebnis Hüppe bei einem Falk-Pressegespräch im Rahmen des Wiesbadener Internistenkongresses präsentierte. Die Studienteilnehmer mit mildem bis moderatem Morbus Crohn wurden zwölf Wochen lang mit dreimal täglich 3 mg Budesonid (Budenofalk® 3 mg) behandelt. In 72 Prozent der Fälle wurde dadurch ein signifikanter Therapieerfolg erwirkt mit einem ausgeprägten Rückgang oder völligen Abklingen der Beschwerden.
Konkret ließen nach Hüppe insbesondere die Abdominalschmerzen nach, die Stuhlfrequenz wurde deutlich gemindert und das in Einzelfällen von durchschnittlich 25 auf zehn Stühle pro Tag. „Das belegt, dass Budesonid auch bei Patienten mit ausgeprägter Diarrhoe wirksam ist“, so der Mediziner.
Er berichtete weiter, dass das Allgemeinbefinden der Patienten unter der Therapie deutlich besser wurde. Während sich beispielsweise vorher 54 Prozent der Studienteilnehmer durch die Erkrankung beeinträchtigt fühlten, gaben dies nach zwölf Wochen nur noch zwölf Prozent und nach weiteren zwölf Wochen Nachbeobachtung nur noch neun Prozent an. Der Anteil derjenigen, die sich „meistens gut“ fühlten, stieg im gleichen Zeitraum von 13 auf 86 Prozent.
Besonders gut war der Therapieerfolg mit einer signifikanten Besserung bei knapp 76 Prozent der Patienten mit Befall im Ileum und/oder im aufsteigenden Kolon, während die Erfolgsrate mit knapp 60 Prozent bei einem Morbus Crohn in den distalen Darmabschnitten etwas geringer lag. Keinen Sinn macht die Behandlung mit dem topisch aktiven Steroid nach Hüppe bei extraintestinalen Manifestationen der Erkrankung.
Gute Verträglichkeit
Die Praxisstudie belegt aber nicht nur die gute klinische Wirksamkeit, sondern zugleich die gute Verträglichkeit des Steroids. Die Nebenwirkungsrate war mit etwa 15 Prozent gering, vor allem schwere Begleitreaktionen wurden deutlich seltener gesehen als unter einem herkömmlichen Glukokortikoid. So reagieren normalerweise rund 46 Prozent der Steroid-Patienten mit einer ausgeprägten Gewichtszunahme und mit einem Mondgesicht, 26 Prozent entwickeln eine Akne, 17 Prozent Schlafstörungen und elf Prozent Depressionen. Unter Budesonid wurde dagegen nur bei fünf Prozent der Crohn-Patienten eine Gewichtszunahme registriert, 2,6 Prozent entwickelten ein Mondgesicht und nur drei Prozent reagierten mit Schlafproblemen, ein Prozent mit einer Depression.
Das schlägt sich in einem guten Arzt- und Patientenurteil nieder, wobei die Verträglichkeit des lokalen Steroids gegenüber systemischen Präparaten von 95 Prozent der Studienteilnehmer als gut bis sehr gut bewertet wurde. Auf dem Boden dieser Daten ist die Budesonid-Behandlung nach Hüppe beim Morbus Crohn als Mittel der ersten Wahl anzusehen, wenn ein Steroid notwendig wird. Auch bei der Colitis ulcerosa hält der Mediziner in solchen Fällen einen Therapieversuch für sinnvoll, um bei guter klinischer Wirksamkeit die Nebenwirkungen der Steroidtherapie zu begrenzen.
Das Steroid ist immer dann auch eine gute Alternative, wenn die Patienten eine Behandlung mit Azathioprin nicht vertragen oder ablehnen. Es kann auch in der Schwangerschaft verabreicht werden sowie bei Kindern, bei denen die Steroide wegen der drohenden Wachstumsretardierung besonders problematisch sind. Christine Vetter
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