ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2001Ärztemangel : Wer zu spät wirbt . . .

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Ärztemangel : Wer zu spät wirbt . . .

Dtsch Arztebl 2001; 98(26): A-1713 / B-1469 / C-1361

Kühn, Beate

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LNSLNS Dass junge Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ausgebeutet werden, ist längst kein Geheimnis mehr, und dass sich an den Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern etwas ändern muss, ist ebenfalls klar. Hoffentlich reagieren die Arbeitgeber hierzulande wirklich schnell auf die Entwicklungen der Gegenwart, und vertrösten den medizinischen Nachwuchs nicht auf „zeitnahe Lösungen“, also auf irgendwann. Schon jetzt ist die Hälfte der jährlich 12 000 Absolventen nicht bereit, in Deutschland den Arztberuf auszuüben. Das viel zitierte „schwarze Loch“, in dem die jungen Ärztinnen und Ärzte verschwinden, mündet häufig im Ausland, wo die Arbeitsbedingungen erträglicher sind oder zumindest die Bezahlung besser ist.
Wenn – dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes entsprechend – auch in Deutschland Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit angerechnet werden, dann sind 15 000 zusätzliche Ärzte vonnöten, um die medizinische Versorgung auf dem bisherigen Niveau halten zu können. Selbst wenn alle arbeitslos gemeldeten Ärzte
(7 270 an der Zahl) in die Kliniken geholt werden könnten, wäre der zusätzliche Bedarf noch nicht gedeckt. Ein Ärztemangel ist programmiert. Ein Grund mehr, sich um den medizinischen Nachwuchs im Land zu kümmern – bevor es andere tun.
„Ihre Zukunft liegt in Frankreich! – Bewerben Sie sich jetzt!“ Unsere französischen Nachbarn gaben sich auf dem 4. Via medici-Kongress am 15. und 16. Juni in Mannheim alle Mühe, den jungen Fachärzten die Übersiedlung nach Frankreich schmackhaft zu machen: Sie beschrieben mit blumigen Worten die angenehmen Arbeitsbedingungen und nannten verlockende Gehaltszahlen. Auch die Schweden machten auf sich aufmerksam und standen mit ihren Angeboten den Franzosen kaum nach.
Vereinzelt haben sogar deutsche Kliniken mit bunten Prospekten um die Gunst der jungen Ärzte geworben, aber eben nur vereinzelt. Und was mit denen passiert, die zu spät kommen, ist bekannt. Beate Kühn
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