ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1996Trainingsberatung für Sporttreibende

MEDIZIN: Diskussion

Trainingsberatung für Sporttreibende

Löllgen, Herbert; Engel, J.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Hans-Hermann Dickhuth und Prof. Dr. med. Herbert Löllgen in Heft 18/1996
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LNSLNS Rechtliche Seite bei Komplikationen
Der Beitrag von Dickhuth und Löllgen besitzt unzweifelhaft große praktische Relevanz und zeichnet sich aus durch gut umzusetzende praktische Empfehlungen. Den Autoren sollte jedoch noch Gelegenheit gegeben werden, auf die rechtliche Seite etwaiger Komplikationen während der Trainingsbehandlung hinzuweisen.
Ich vermisse ein klares Wort, ob, und wenn, in welchem Ausmaß, eine Notfallversorgung während der Trainingstherapie gewährleistet sein muß, beispielsweise bei dem aufgeführten Walking oder Joggen oder gar auf einer Langlaufstrecke. Eine entsprechende notfallmedizinische Sicherheit ist sicherlich in einer Schwimmhalle oder in einer Turnhalle in einer Rehabilitationsklinik kein Problem. Wie aber muß für eine Trainingstherapie die notfallmedizinische Versorgung im freien Gelände aussehen? Auf welche Regelungen kann sich der Arzt beziehen, der die Trainingstherapie verordnet, welche Haftung bleibt bei dem Trainer bei der Durchführung der Trainingstherapie?
Dr. med. H. J. Engel
Chefarzt der Klinik Lohrey
Postfach 2150
63623 Bad Soden-Salmunster


Schlußwort
Vor Wiederaufnahme eines Trainings sollte bei Personen über 35 Jahren eine Vorsorgeuntersuchung einschließlich einer Belastungsuntersuchung stehen. Normale Befunde schließen ein zukünftiges Restrisiko durch Sport und Training nicht mit Sicherheit aus. Jeder Arzt muß sowohl Gesunde als auch Patienten vor Beginn eines Trainings über mögliche Risiken aufklären. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß langfristig die positiven Aspekte die möglichen Risiken eindeutig überwiegen. Für ein Trainingsprogramm innerhalb von Rehabilitationskliniken (Phase II) oder innerhalb von Herzgruppen (Phase III) liegen klare Empfehlungen vor (1). Hier muß der verordnende Arzt davon ausgehen, daß eine ärztliche Überwachung gegeben ist und Notfallmaßnahmen in kurzer Zeit zur Verfügung stehen, auch wenn das Training im freien Gelände durchgeführt wird. Sollte die Gruppe von einem Sporttherapeuten alleine begleitet werden, sind durch entsprechende technische Möglichkeiten (Funk, Telemetrie) effektive Kommunikationsmöglichkeiten einzurichten. Der verordnende Arzt oder die Klinik muß sich davon überzeugen, daß diese Überwachung und Notfallversorgung gewährleistet ist.
Bei einem eigenständigen Training außerhalb dieser Rehabilitationsphasen hat nach unserem Verständnis jeder Einzelne die Verantwortung selbst zu tragen. Unserer Meinung nach kann keinem Arzt eine Haftung übertragen werden, wenn er einem Patienten ein regelmäßiges Training empfiehlt oder verordnet, eine qualitativ gute Vorsorgeuntersuchung vorausgegangen ist und das Training vernünftig, das heißt, nach den dargestellten Regeln erfolgt. Die seltenen Zwischenfälle, noch seltener der plötzliche Tod, sind als schicksalshaft anzusehen. Zusätzlich sind heute moderne Überwachungsmethoden mittels Telefon-EKG für kardiale Risikopatienten verfügbar und können für die Trainingsüberwachung, beispielsweise am Heimtrainer, eingesetzt werden (2). Es kann und darf aber auf keinen Fall soweit kommen, daß die Eigenverantwortung so tief angesetzt wird, daß ein Training deshalb nicht empfohlen wird, weil ein Zwischenfall möglich wäre oder gar mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen sei. Hier sollte die Neigung in Deutschland, jedes Risiko durch Versicherung und Haftung abzusichern, eine Grenze haben. Oder sollte immer ein Notarzt zur Stelle sein, wenn ein Herzpatient Treppen steigt, Schnee räumt oder hinter einem Bus herläuft? Dieses Restrisiko wird wohl ein jeder selbst tragen müssen.
Literatur
1. Unverdorben M, Brusis OA, Rost R (Hrsg.): Kardiologische Prävention und Rehabilitation. Deutscher ÄrzteVerlag, Köln, 1995
2. Löllgen H, Steinberg T, Fahrenkrog U: Telephonische EKG-Übertragung: Eine alte Methode mit neuen Möglichkeiten. Münch med Wschr 1996; 138: 473-47
Für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Herbert Löllgen
Medizinische Klinik, Kardiologie
Klinikum Remscheid
Burger Straße 211
42859 Remscheid

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