ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2001Weiterbildung: Überholte Einstellung

BRIEFE

Weiterbildung: Überholte Einstellung

Dtsch Arztebl 2001; 98(26): A-1738 / B-1492 / C-1384

Mündel, Jane

Ungereimtheiten bei der Weiter­bildungs­ordnung:
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LNSLNS Nach etwa achtjähriger Tätigkeit als MTA in einem Labor eines Krankenhauses mittlerer Größe entschloss ich mich, Medizin zu studieren. Ich blieb weiterhin angestellte MTA, hauptsächlich um mich zu finanzieren, aber auch um den Kontakt zu der sich ständig weiterentwickelnden Labormedizin nicht zu verlieren. Zurzeit bin ich Ärztin in Weiterbildung zur Allgemeinmedizin.
In der Weiter­bildungs­ordnung für Ärzte steht nun, dass auf diese Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin die Fortbildung in Labormedizin bis zu einem halben Jahr angerechnet werden kann. In dieser Zeit soll der Weiterbildende die Tätigkeit erlernen, die ich in meiner nun 15-jährigen MTA-Zeit mehr als einmal ausgeführt und zum Teil auch interessierten Arztkollegen erläutert habe. Was liegt näher, als um diese Anerkennung nachzusuchen, um die Facharztausbildung abzukürzen? Der Antrag an die zuständige Ärztekammer war abschlägig mit der mündlichen Begründung:
- Diese Tätigkeit wäre aus keinem ärztlichen Blickwinkel gewesen! – Den habe ich doch jetzt und kann den Grund für die jeweilige Untersuchung erkennen, auch nachträglich!
- Wenn man mir dies jetzt anerkennen würde, müsste man auch jedem Krankengymnast, der jetzt in Ausbildung zum Orthopäden ist, jedem Anästhesiepfleger, der jetzt in Weiterbildung zum Anästhesisten ist, jedem Optiker, der jetzt Augenarzt wird usw., diese Anerkennung gewähren.
Ja, warum denn nicht?
Die schriftliche Auskunft fiel magerer aus: Gemäß § 4 Abs. 1 der Weiter­bildungs­ordnung für Ärzte kann mit der Weiterbildung erst nach Approbation als Arzt begonnen werden. Dies bedeutet also, dass, wenn ein Arzt nach Erhalt der Approbation bei einem Labormediziner arbeitet und sich von medizinisch-technischen Assistenten diverse Bestimmungsmethoden von Substanzen in Körperflüssigkeiten, die Funktion verschiedener Geräte, die Differenzierung von Blutausstrichen, die Vorgehensweise bei Blutgruppenbestimmungen und Kreuzproben sowie vieles andere erklären lassen muss, dies Weiterbildung ist, wenn ein Arzt dasselbe vor seiner Approbation lernt, kann dies nicht gleichgesetzt werden, obwohl der Inhalt der gleiche ist.
Im Hinblick auf unsere ohnehin zu wenig an der Praxis orientierte Ausbildung halte ich diese Einstellung für überholt und geradezu widersinnig.
Für Meinungsäußerungen und hilfreiche Tipps unter der E-Mail-Adresse www.weiterbildung@hotmail.
com wäre ich sehr dankbar.
Jane Mündel, Kriemhildstraße 5, 77694 Kehl
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