ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2001Vergangenheit: Sind wir vor solchem Fehlverhalten gefeit?

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Vergangenheit: Sind wir vor solchem Fehlverhalten gefeit?

Dtsch Arztebl 2001; 98(26): A-1740 / B-1494 / C-1386

Gieselmann, Winfrid

Zu dem Beitrag „Medizin in der NS-Zeit: Hirnforschung und Krankenmord“ von Priv.-Doz. Dr. Hans-Walter Schmuhl in Heft 19/2001:
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LNSLNS Besonders haben mich folgende Sätze über die an der massenhaften Ermordung psychisch Kranker beteiligten Ärzte beeindruckt: „Dieser Genozid wurde von Ärzten initiiert, geplant, vorbereitet, gerechtfertigt, durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. Man kann gar nicht deutlich genug hervorheben, dass diese Ärzte nicht trotz, sondern wegen ihres ärztlichen Berufsethos zu Vollstreckern eines historisch beispiellosen Aktes der Barbarei wurden.“ – Wenn das damals geschehen konnte, sind wir dann heute vor solchem Fehlverhalten gefeit? Heute wissen wir, dass es sich bei der Ermordung von über 260 000 psychisch Kranken um einen „historisch beispiellosen Akt der Barbarei“ gehandelt hat. Wenn man 100 Jahre vor der NS-Zeit ein solches Unternehmen ins Gespräch gebracht hätte, wäre das Urteil kaum anders ausgefallen. „Nur“ in der NS-Zeit dachten viele Ärzte anders.
Und heute werden massenhaft ungeborene Menschen umgebracht – so genannte Abtreibungen – und wird ernsthaft über die PID und die verbrauchende Embryonenforschung diskutiert. Vor 50 Jahren hätte man so etwas mit Sicherheit als einen „historisch beispiellosen Akt der Barbarei“ angesehen, aber wir heutigen Ärzte – unter dem Einfluss des Zeitgeistes – haben da kaum noch Bedenken . . .
Dr. med. Winfrid Gieselmann, Finkenwiesenstraße 1, 75417 Mühlacker
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