ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1996Fraktionelle Flußreserve als Parameter zur Beurteilung von Koronarstenosen

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Fraktionelle Flußreserve als Parameter zur Beurteilung von Koronarstenosen

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LNSLNSLNSLNS Die klinische Signifikanz von mittelgradigen Koronarstenosen ist bei Patienten mit thorakalen Beschwerden oft schwer einzuschätzen. Trotz zahlreicher nichtinvasiver und invasiver Untersuchungen bleibt bei diesen Patienten die definitive Ursache ihrer Beschwerden oft unklar.
Um hier zumindest teilweise Abhilfe zu schaffen, wurde von belgischen und holländischen Kardiologen die fraktionelle Flußreserve (FFR) als neuer Parameter im Rahmen der Koronarangiographie untersucht.
Die FFR ist definiert als der maximale Blutfluß zum Myokard bei Vorliegen einer Koronarstenose im versorgenden Gefäß dividiert durch den theoretisch möglichen maximalen Blutfuß bei fehlender Stenose. Dieser Wert kann durch invasive Druckmessung in den distalen Koronarien sowie in der Aorta bei maximaler Vasodilatation bestimmt werden und liegt im Idealfall bei 1.
Die Autoren konnten in eigenen Voruntersuchungen einen Schwellenwert von 0,75 für FFR ermitteln, unterhalb dessen mit einer signifikanten myokardialen Ischämie zu rechnen ist. Sie überprüften dann an 45 konsekutiven Patienten mit mittelgradigen Koronarstenosen und ätiologisch unklaren Thoraxschmerzen den Wert der FFR im Vergleich zu den etablierten Untersuchungen Fahrradergometrie, Thallium-MyokardSzintigraphie, Streß-Echokardiographie und quantitative Koronarangiographie.
Bei allen 21 Patienten mit einer FFR < 0,75 konnte in mindestens einem der oben genannten Verfahren eine reversible myokardiale Ischämie demonstriert werden, die sich dann nach Koronar-Angioplastie oder BypassOperation nicht mehr nachweisen ließ. Dagegen zeigte sich bei 21 von 24 Patienten mit einer FFR > 0,75 in den nicht-invasiven Untersuchungen kein Hinweis für eine myokardiale Ischämie; diese Patienten konnten alle ohne weitere Notwendigkeit einer koronaren Revaskularisation konservativ behandelt werden. Die Sensitivität der FFR zur Identifikation einer Myokardischämie lag bei 88 Prozent, die Spezifität bei 100 Prozent und der positive Vorhersagewert bei 100 Prozent.
Die Autoren halten aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse die fraktionelle Flußreserve für einen geigneten Parameter zur Abschätzung der klinischen Signifikanz von mittelgradigen Koronarstenosen. acc
Pijls N. H. J., et al.: Measurements of fractional flow reserve to assess the
functional severity of coronary-artery stenoses. N Engl J Med 1996; 334: 1703-1708
Dr. Pijls, Dep. of Cardiology, Catharina Hospital, P.O. Box 1350, 5602 ZA Eindhoven, Niederlande

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