ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1996Lebensversicherung: Für Altersvorsorge den Zeithorizont beachten

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Lebensversicherung: Für Altersvorsorge den Zeithorizont beachten

Löwe, Armin

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LNSLNS Das Bewußtsein der Bevölkerung für die Notwendigkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge ist gestiegen. Dies müssen die Lebensversicherungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Denn immer mehr Anbieter drängen in das Geschäft mit der Altersvorsorge, im Verständnis der Versicherungsgesellschaften nicht zu Unrecht ihre Domäne. Vor allem die Banken und Kapitalanlagegesellschaften propagieren ihre Fonds immer stärker als Instrument für die Altersvorsorge. Umgekehrt versuchen aber auch die Versicherungen, in das Terrain der Investmentgesellschaften einzudringen. Mit ihrer Arbeitnehmer-Beteiligungspolice beispielsweise wollen sie in den Anlagekatalog nach dem 5. Vermögensbildungsgesetz aufgenommen werden und damit den Investmentfonds auf ihrem angestammten Gebiet Konkurrenz machen.


Rendite leicht zu übertreffen
Vor allem die Pensions-Sondervermögen, mit denen sich die Investmentgesellschaften ein Stück von dem Kuchen aus dem Markt der betrieblichen Altersvorsorge herausschneiden wollen, haben den Argwohn der Lebensversicherungen und die Sorge um ihre Pfründen geweckt. Die Lebensversicherer weisen zu Recht auf die hohe Planungssicherheit einer Lebensversicherung hin, die in der Altersvorsorge einen großen Stellenwert haben sollte. Wer eine kapitalbildende Lebensversicherung abschließt, erhält eine Garantie über die Höhe der abgeschlossenen Versicherungssumme und die der Beiträge und eine bestimmte Mindestverzinsung (Rechnungszins), der heute vier Prozent beträgt. Eine solche Garantie gibt es bei der Fondsanlage nicht. Allerdings können die Investmentfonds entgegenhalten, daß die garantierte Verzinsung von vier Prozent dermaßen niedrig ist, daß sie mit beinahe jedem deutschen Rentenfonds leicht zu übertreffen war. Das "Jahrbuch 1996 ausgewählter Investmentfonds" aus dem F & V-Finanzverlag (dasselbe Haus betreibt in Berlin auch das älteste Investment-Center in Deutschland) hat für jede 12-Jahres-Periode (weil dies die Mindestlaufzeit einer steuerfreien kapitalbildenden Lebensversicherung ist) von 1972 bis 1995 ausgerechnet, daß eine regelmäßige Anlage von monatlich 100 DM (oder ein Vielfaches davon) bis Ende 1995 eine jährliche Rendite von 8,1 Prozent gebracht hätte. Wenn die Lebensversicherung also nur die garantierte Mindestverzinsung gebracht hätte, wäre sie im Vergleich ein schlechtes Geschäft. Zusätzlich zur Mindestverzinsung hat der Versicherungsnehmer aber Anspruch auf eine Gewinnbeteiligung von mindestens 90 Prozent der Nettoerträge aus den Kapitalanlagen. Die Überschüsse führen zu einer Abschlußleistung bei der Lebensversicherung, die meist weit höher als der garantierte Betrag ist. Die Mindestverzinsung wird also in der Regel erheblich überschritten. Wie hoch die künftigen Überschüsse sind, weiß aber der Versicherungsnehmer ebensowenig wie der Anleger in Investmentfonds. Soviel allerdings steht fest: Mit einer Anlage in Aktienfonds kann der Anleger eine weit höhere Rendite herausholen. Denn Aktien bringen auf lange Sicht (mindestens zehn Jahre) eine bessere Rendite als festverzinsliche Wertpapiere. Die Versicherungen legen aber den größten Teil ihrer Gelder in festverzinslichen Wertpapieren an. Im Durchschnitt der letzten 13 Zwölf-Jahres-Perioden brachten die deutschen Aktienfonds eine jährliche Rendite von 10,6 Prozent (so das Jahrbuch) bei regelmäßiger monatlicher Anlage. Solche Renditen können die Lebensversicherungen nicht vorweisen. Die 10,6 Prozent sind allerdings ein Durchschnittswert aus einer repräsentativen Zahl von Fonds. Wer das Pech hatte, auf einen weniger gut gemanagten Fonds zu setzen, kann auch weitaus schlechter abgeschnitten haben. Aber dieses Risiko trägt der Versicherungsnehmer auch. Die Stiftung Warentest zum Beispiel hat im Herbst vergangenen Jahres in ihrem viel diskutierten Versicherungstest festgestellt, daß die Ablaufleistungen von verschiedenen Versicherungen nach 27 Jahren Vertragsdauer zwischen 235 658 DM und 175 945 DM schwankten. Allerdings: Die Versicherungsgesellschaften veröffentlichen selbst keine Ergebnisse der einzelnen Gesellschaften, sondern nur für die ganze Branche geltende Nettoverzinsungen. Für mehr Transparenz sorgen da die deutschen Fondsgesellschaften: Jeden Monat wird die Performance für den letzten Monat, das laufende Jahr, die letzten 12 Monate, für drei Jahre, fünf Jahre, zehn Jahre, 15 Jahre und 20 Jahre veröffentlicht. Dazu kommt jährlich eine Wertentwicklungsstatistik. Die Gesichtspunkte Rendite und Transparenz sprechen also für die Investmentfonds, der Sicherheitsaspekt, für die Altersvorsorge sicherlich von herausragender Bedeutung, für Versicherungen. Doch Investmentfonds und Lebensversicherung bilden nicht unbedingt einen Gegensatz, sondern können sich ergänzen. Wer neben seiner gesetzlichen Altersrente noch eine weitere Grundsicherung benötigt - und das sind fast alle -, wird auf Grund des Sicherheitsaspekts einer Lebensversicherung den Vorzug geben. Wenn dagegen für die Grundsicherung gesorgt ist, kann eine zusätzliche Vermögensbildung über Invest-mentfonds weitaus größere Vorteile als eine weitere Lebensversicherung bieten. Allerdings ist dabei auch der Zeithorizont zu beachten. Ein 40jähriger hat noch genug Zeit, auch Durststrecken am Aktienmarkt auszusitzen. Ein 53jähriger dagegen, der mit 65 zumindest einen bestimmten Sockelbetrag sicher haben will, wird bei der Lebensversicherung besser aufgehoben sein.


Ein Vorteil: Steuerfreiheit
Auch steuerliche Gesichtspunkte sprechen oft für die Lebensversicherung; vor allem, wenn die Freibeträge bereits ausgeschöpft sind. Denn die Versicherung wird nach 12 Jahren (wenn mindestens 60 Prozent der Prämien dem Todesausfallschutz dienen) steuerfrei ausgezahlt. Dieser Vorteil gegenüber einer Anlage in Investmentfonds gilt aber nicht mehr, wenn als Alternative auch Aktienfonds in Frage kommen. Denn die Kursgewinne sind steuerfrei. Armin Löwe

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