ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2001Wanderausstellung Pockenschutz in Japan

VARIA: Geschichte der Medizin

Wanderausstellung Pockenschutz in Japan

Dtsch Arztebl 2001; 98(26): A-1763 / B-1513 / C-1405

Kühn, Beate

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LNSLNS Deutscher Arzt ermöglichte erste flächendeckende Impfung im Inselreich.

Der englische Landarzt Edward Jenner infizierte 1796 erstmals gezielt ein Kind mit dem Erreger der Kuhpocken, um es damit vor den weitaus gefährlicheren und häufig zum Tod führenden echten Pocken zu schützen. In Japan gelang es 1849 dem deutschen Arzt Otto Gottlieb Mohnike (1824-1887), die Kuhpockenvakzination flächendeckend durchzuführen. Zuvor hatten schon andere erste Erfolge erzielt: Nakagawa Gorji zum Beispiel, der schon 1812 die Technik der Vakzination aus seiner russischen Gefangenschaft in Sibirien mitbrachte, oder Mohnikes Landsmann Philipp Franz von Siebold.
Die größten Schwierigkeiten bereitete die Beschaffung des Impfmaterials, das auf dem langen Seeweg häufig seine infizierende Wirkung verlor. Der im Dienst der niederländischen Armee stehende Mohnike verdankte es einem schnellen Segelschiff der ostindischen Kompagnie in Batavia, dass schließlich brauchbares Material nach Nagasaki gelangte. Die Vakzine lag einerseits als trockener Schorf und andererseits als Serum vor, das luftdicht in Glaskapillaren verpackt war. Mohnike übertrug es zunächst auf drei Kinder; bei nur einem kam es zur Ausbildung einer Impfpocke. Durch weiteres Überimpfen von Arm zu Arm verbreitete sich der Impfstoff unter Mohnikes Aufsicht innerhalb weniger Monate in ganz Japan.
Beim Propagieren der Vakzination unter der japanischen Bevölkerung fand Mohnike wichtige Unterstützung beim Fürsten von Saga, der selbst von Pockennarben entstellt war. Die Impfung des Fürstensohnes Junichio wurde in einem Bild festgehalten. Dieses diente hernach als Werbeplakat und verschaffte der Impfkampagne ein deutlich höheres Ansehen.
Der Zeitpunkt für die Einführung der Pockenschutzimpfung lag sehr günstig. Um 1850 öffnete sich Japan dem Westen und die Industrialisierung setzte ein. Die durch die Vakzination gesunkene Säuglings- und Kindersterblichkeit führte zu einem Bevölkerungswachstum – das war für die Industrie, die eine große Zahl neuer Arbeitsplätze zu besetzen hatte, natürlich von Vorteil.
Durch Mohnikes Einsatz gingen die Pockenerkrankungen zwar erheblich zurück, ganz ausgerottet wurden sie jedoch nicht. Da die Impfbereitschaft in der Bevölkerung allmählich wieder zurückging und die Beschaffung der Vakzine nicht kontinuierlich möglich war, kam es immer wieder zu Epidemien. Der letzte Pockenfall in Japan trat 1955 auf, liegt also noch gar nicht so lange zurück. Die WHO gab 1980 die weltweite Ausrottung der Pocken bekannt.
Deutsch-japanische Ausstellung
Durch Zusammenarbeit der Medizinischen Hochschule Nagasaki mit dem Würzburger Institut für Geschichte der Medizin entstand eine Wanderausstellung, die der Einführung der Vakzination in Japan gewidmet ist. Neben Dokumenten, Bildern und Schautafeln sind das von Siebold in Nagasaki verwendete elfenbeinerne Impfbesteck zu sehen.
Die Ausstellung wurde bis zum 20. Juni im Institut für Geschichte und Ethik der Universität zu Köln gezeigt. Bis 28. August wird sie im Kreishaus Cloppenburg im Gesundheitsamt (Telefon: 0 44 71/15-2 73) und vom 17. Oktober bis 7. November im Rathaus der Stadt Greifswald (Telefon: 0 38 34/88 57 85) zu sehen sein. Beate Kühn


Der Fürst des Clans von Saga lässt seinen Sohn impfen. Diese Darstellung diente um 1850 als Werbeplakat für die Pockenschutzimpfung.


Illustriertes Propagandablatt zur Verbreitung der Impfung in Japan

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