ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1996Entdeckung von Masuren und Nordostpolen: Unberührte Naturlandschaften

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Entdeckung von Masuren und Nordostpolen: Unberührte Naturlandschaften

Mertens, Stephan

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LNSLNSLNSLNS Jeder fünfte Storch ist ein Pole, auch wenn er noch mindestens eine zweite, nämlich eine afrikanische "Staatszugehörigkeit" hat, so der Reiseführer und Ornithologe Maciej Zimowski. Auf einer Rundreise durch Masuren und Nordostpolen kann man sich von diesem Statement überzeugen. So bietet diese von Flurbereinigung und Entwässerungsprogrammen verschont gebliebene Landschaft ein für den Touristen idyllisches Bild mit alleebestandenen Landstraßen, mäandernden Flußläufen, Marschen und der bekannten Masurischen Seenplatte sowie dem letzten Urwald Mitteleuropas, dem Bialowieza Nationalpark. Von den Heimwehtouristen abgesehen, ist dieser Teil Polens besonders für natursuchende Urlauber attraktiv. Aufgrund der teilweise nur extensiv betriebenen oder gar aufgegebenen Landwirtschaft bestehen (noch) große zusammenhängende naturnahe Gebiete, die eine reiche Flora und Fauna beheimaten. Eine besondere Attraktion sind die vielen Vogelarten, die man hier beobachten kann und die teilweise, wie zum Beispiel der Storch, noch in großen Populationen vorkommen. Entlang der Straßen auf allen möglichen Erhebungen und sogar auf Telegraphenleitungen sieht man Storchennester. Weiterhin können Hunderte von Arten von Wasservögeln und so seltene Greifvögel wie Schrei- oder Seeadler beobachtet werden. Säugetiere bis hin zum Wisent, Elch und Wolf findet man im Gebiet des Bialowieza Nationalparks, der, an der weißrussischen Grenze liegend, sich über die Staatsgrenze hinaus erstreckt und von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt wurde. Um die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, kann man den Park nur mit einem lizenzierten Führer und auf ausgewiesenen Wegen betreten. Die touristische Infrastruktur entwickelt sich stetig weiter, so daß in einigen Orten wie zum Beispiel in Mikolajki (Nikolaiken), im Zentrum der Masurischen Seenplatte gelegen, ein breites Spektrum an Wassersportmöglichkeiten und anderen Freizeitaktivitäten mit einer guten Auswahl an Unterkünften verschiedener Kategorien angeboten werden kann. Dies ist allerdings nicht überall der Fall: Besonders Gegenden, die landschaftlich sehr reizvoll sind wie die Region um den Bialowieza Nationalpark, sind noch nicht sehr erschlossen, und damit verbunden sind die Übernachtungsmöglichkeiten und -standards etwas eingeschränkt. Auf der anderen Seite bietet gerade dieses Gebiet dem Individualreisenden, der sich abseits der Touristenströme bewegen möchte, ein ungestörtes Naturerlebnis mit der Möglichkeit für ausgedehnte Wanderungen, Radtouren oder eine Kutschfahrt. Von den Naturlandschaften abgesehen, lohnt auch die Besichtigung einiger Städte, wo einige Gebäude aus der Vorkriegszeit erhalten oder wieder instand gesetzt worden sind, die auch an die vergangene deutsche Besiedlung des ehemaligen Ostpreußens erinnern. Allerdings dominiert hier, wie überall im ehemaligen Ostblock, die öde, standardisierte, sozialistische Plattenbauarchitektur mit großen Wohnsiedlungen an der Peripherie der Städte, einfallslosen Zweckbauten und überdimensionierten Straßen.
Hier ist Olsztyn (Allenstein), das im Jahr 1353 seine Stadtrechte erhielt, zumindest im gut erhaltenen beziehungsweise rekonstruierten Stadtkern mit seinem barocken Rathaus und der gothischen Kathedrale Sankt Jacob eine Ausnahme und auf jeden Fall einen Besuch wert. Nicht verpassen sollte man auch die Marienburg des ermländischen Kapitels, deren ältester Teil aus dem 14. Jahrhundert stammt. Diese mächtige und gut erhaltene Befestigungsanlage wurde vom Deutschen Orden erbaut. Hier hat Nikolaus Kopernikus einige Jahre gewirkt und den Zeitpunkt der Sommersonnenwende bestimmt. Von diesen Meßreihen sind noch einige Linien an der Wand des Schloßkreuzganges erhalten, mit denen Kopernikus den Verlauf der Sonnenwanderung dokumentiert hat. Lohnenswert ist auch ein Abstecher nach Lidzbark Warminski (Heilsberg). Diese Stadt war von 1350 bis 1795 Sitz der Bischöfe von Ermland und hat eine festungsähnliche Backsteinburg zu bieten, die neben der Marienburg in Olsztyn zu den besterhaltenen und eindrucksvollsten Burgen in Masuren zählt. Die quadratische äußere Anordnung der Befestigungsmauer mit den vier Wehrtürmen spiegelt sich in der Form des Innenhofs mit dem zweigeschossigen Kreuzgang wider. Heute ist hier ein Museum für mittelalterliche und zeitgenössische Kunst untergebracht. Me
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