ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2001Epitheliale Tumoren: Renaissance der photodynamischen Therapie

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Epitheliale Tumoren: Renaissance der photodynamischen Therapie

Dtsch Arztebl 2001; 98(26): A-1767 / B-1406 / C-1274

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Vor nahezu 100 Jahren in Deutschland erfunden, erlebt die photodynamische Therapie auf dem Umweg über Amerika wohl auch bald bei uns eine Renaissance als alternative Behandlungsmethode bei epithelialem Hautkrebs – nicht zuletzt aufgrund fehlender Narbenbildung und Pigmentveränderungen. Angesichts von 80 000 Neudiagnosen jährlich und einer Verdoppelung innerhalb von zehn Jahren sieht Prof. Wolfram Sterry (Berlin) eine gewaltige Aufgabe auf die Dermatologen zukommen.
Pathogenetisch spielt bei den Basaliomen, Spinaliomen und den zahlenmäßig stark angestiegenen aktinischen Keratosen die Summation der UV-Schäden durch Sonnenexposition die Hauptrolle, beim Morbus Bowen sind Chemokarzinogene ursächlich, bei den Läsionen in der Genitalregion ist eine virale Genese durch onkogene Papillomaviren (HPV) gesichert.
Das Spektrum der verschiedenen konventionellen Therapieverfahren wird in nicht allzu ferner Zukunft erweitert werden durch die topische photodynamische Therapie mit 5-Aminolävulinsäure und Licht (5-ALA PDT), möglicherweise auch durch den – derzeit noch experimentellen – topischen Einsatz von Immunmodulatoren bei operativ ungünstig gelegenen Prozessen.
Wie Dr. Rolf-Markus Szeimies (Regensburg) anlässlich eines Symposiums der Firmen Schering und Asche in Berlin darlegte, wird die
5-ALA PDT in der Urologie bereits breit eingesetzt zur Therapie superfizieller Blasenkarzinome, in den USA ist 5-ALA als Levulan® Kerastick (in Kombination mit einer bestimmten Blaulichtquelle) für aktinische Keratosen zugelassen.
Das Wirkprinzip: Ein Photosensibilisator (etwa Prophyrinderivate), der sich selektiv im Zielgebiet anreichert, bewirkt in Kombination mit sichtbarem Licht eine Zellschädigung, als Folge kommt es zum Zelltod. 5-ALA ist kein Photosensibilisator, sondern wird nach Penetration in die Haut in die Porphyrinsynthese eingeschleust, akkumuliert und sensibilisiert die Zielzellen gegen Licht.
Protoporphyrin wird aktiviert
Nach 14 bis 18 Stunden wird bei oberflächlichen Läsionen wie aktinischen Keratosen blaues, bei tiefer gehenden rotes Licht zur Therapie eingesetzt. Dadurch wird das gebildete Protoporphyrin aktiviert, wobei zytotoxische reaktive Sauerstoffspezies entstehen, die Zellschäden mit nachfolgendem Zelltod auslösen. Maximal sind Tumordicken bis drei Millimeter zu behandeln.
Diagnostisch zu nutzen ist die Fluoreszenz der ALA-induzierten Porphyrine unter Wood-Licht, allerdings ist die Aussagekraft der mikroskopisch kontrollierten Chirurgie nicht ebenbürtig.
In der onkologischen Dermatologie liegen die meisten Erfahrungen bei aktinischen Keratosen vor. Für die Patienten sei die photodynamische Therapie zwar nicht ganz schmerzfrei und es komme vorübergehend zu erythematösen und oedematösen Hautreaktionen, so Prof. Herbert Hönigsmann (Wien). Die 20-prozentige Lösung sei jedoch sehr effizient, wie eine placebokontrollierte Doppelblindstudie bei 243 Patienten mit 1 403 aktinischen Keratosen gezeigt habe.
Acht Wochen nach einmaliger Therapie ergab sich – bezogen auf die Anzahl der Läsionen – eine Heilungsrate von 83 Prozent (Vehikel: 34 Prozent), nach zwölf Wochen waren 77 Prozent vollständig abheilt (Vehikel: 28 Prozent).
Mit der 5-ALA PDT seien vergleichbar hohe Heilungsraten wie mit konventionellen Verfahren zu erreichen, sagte der Referent. Als Vorteile für die neue Methode sieht der Dermatologe, dass größere Areale zu behandeln sind und eine schnelle Abheilung ohne Pigmentveränderungen und ohne Narbenbildung resultiert. Aufgrund fehlender Genotoxizität könne das Vorgehen bedenkenlos wiederholt werden.
Laut Szeimies reicht bei aktinischen Keratosen – auch langfristig gesehen – die einmalige Behandlung aus, während bei Basalzellkarzinomen Langzeitdaten noch fehlen und eventuell ein wiederholtes Vorgehen nötig ist. Ungeeignet sind noduläre, pigmentierte und sklerodermiforme Basaliome. Beim Morbus Bowen ist die neue Therapieform der Kryotherapie ebenbürtig – allerdings mit deutlich besserem kosmetischen Ergebnis. Geprüft wird, ob die photodynamische Therapie mit 5-ALA in niedrigen Dosen auch bei entzündlichen Dermatosen wie Psoriasis und zirkumskripter Sklerodermie einzusetzen ist. Dr. Renate Leinmüller
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