ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2001Lipidsenker – Statine: Wirkungen über den Fettstoffwechsel hinaus

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Lipidsenker – Statine: Wirkungen über den Fettstoffwechsel hinaus

Dtsch Arztebl 2001; 98(26): A-1768 / B-1495 / C-1393

Vetter, Christine

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LNSLNS Statine haben einen festen Stellenwert bei der Prophylaxe akuter kardialer Komplikationen von KHK- und Hochrisikopatienten. Die Substanzen leisten aber weit mehr als nur die Reduktion der Lipide, sie haben nach Prof. Hugo Katus (Lübeck) auch klare antientzündliche Effekte. Das liegt daran, dass Statine mit der HMG-Co-Reduktase einen vergleichsweise frühen Schritt in der Biosynthese des Cholesterins hemmen.
Sie unterbinden damit auch die Bildung biologisch aktiver Zwischenprodukte wie der Isoprenoide, für die proinflammatorische Effekte beschrieben sind. Das erklärt nach Katus Beobachtungen, wonach Statine wie das Cerivastatin (Lipobay®) vulnerable Plaques stabilisieren. Diese sind nicht nur durch einen lipidreichen Kern und eine dünne extrazelluläre Matrix gekennzeichnet, sondern auch durch die Infiltration von Entzündungszellen.
Pleiotrope Effekte
Klinisch lässt sich die Entzündungsreaktion über das C-reaktive Protein (CRP) fassen, so Katus bei einer Pressekonferenz von Bayer Vital in Paris. So werden bei Angina-pectoris-Patienten regelmäßig erhöhte CRP-Werte auffällig, ein Phänomen, das verstärkt bei der instabilen Angina pectoris und allgemein bei akuten Koronarsyndromen zu beobachten ist. Dazu Katus: „Je höher der CRP-Wert, umso höher ist nach den Daten der MONICA-Studie das Risiko, innerhalb von sechs Jahren einen Infarkt zu entwickeln.“
Die Behandlung mit einem Statin sei ein folgerichtiges Konzept, denn diese hemmen die Zytokinsekretion, stabilisieren das Zytoskelett und haben antimitotische Effekte. Diese „pleiotropen“ Wirkungen erklären tierexperimentelle Beobachtungen, wonach Cerivastatin in artherosklerotischen Plaques den Lipidkern verringert, die fibröse Kappe verstärkt und dadurch die Plaques stabilisiert.
Inwiefern den Statinen Bedeutung über ihre Funktion als Lipidsenker hinaus zukommt, wird anhand des Cerivastatin 0,4 mg derzeit in verschiedenen großangelegten Endpunktstudien untersucht. So wird in RESPECT getestet, ob sich die Prognose nicht nur mit Blick auf kardiale Ereignisse, sondern auch mit Blick auf den Schlaganfall verbessern lässt. In PPINCESS wird, so Dr. Friedhelm Späh (Krefeld), die Wirkung auf die Morbidität und Mortalität bei Postinfarktpatienten geprüft, und in der LDS-Studie die prognostische Bedeutung der Statintherapie bei Diabetikern ohne klinische Zeichen einer manifesten Koronarerkrankung. Die CHORUS-Studie untersucht die Effekte bei renaler Erkrankung, und in ENCORE I und II wird geprüft, inwieweit Cerivastatin in einer Dosierung von 0,4 mg täglich eine funktionelle oder sogar strukturell bedingte Besserung einer Endotheldysfunktion bewirkt.
Cerivastatin 0,4 mg ist seit September letzten Jahres in Deutschland im Handel. Die Substanz führt kontrollierten Studien zufolge bei Männern zu einer Senkung des LDL-Cholesterins um 37 Prozent, bei Frauen um 44 Prozent. Die Triglyceride werden um 35 Prozent gesenkt, das HDL abhängig vom Ausgangswert um durchschnittlich acht Prozent bei Werten von 50 mg/dl und um bis zu 18 Prozent bei initialen HDL-Werten unter 30 mg/dl. Christine Vetter
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