ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1996Bildschirmarbeitsplätze: Neue Richtlinie von Januar 1997 an

VARIA: Technik für den Arzt

Bildschirmarbeitsplätze: Neue Richtlinie von Januar 1997 an

Bantle, Frank

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LNSLNSLNSLNS Allein durch Rückenleiden von Büroangestellten, verursacht durch falsche Sitzmöbel, entsteht den deutschen Betrieben jährlich ein Schaden von mehr als 20 Milliarden Mark. "Die meisten Arbeitsplätze", sagt der Bochumer Arbeitsmediziner Theodor Peters, "weisen in arbeitsmedizinischer Hinsicht große Defizite auf."
Jetzt müssen die Arbeitgeber handeln, denn am 1. Januar 1997 tritt auch in Deutschland die EU-Richtlinie 90/270/EWG in Kraft, die exakt vorschreibt, wie ein Büroarbeitsplatz gestaltet sein muß. Bereits seit fünf Jahren existiert das Regelwerk, das in den meisten europäischen Ländern Beachtung findet. Von der Arztpraxis bis hin zum Großraumbüro werden die Arbeitgeber unter anderem dazu verpflichtet, die Arbeitsplätze auf gesundheitliche Risiken zu überprüfen und gegebe-nenfalls neu einzurichten. Diese sogenannte "Arbeitsplatzanalyse" beinhaltet die Erfassung aller Gegebenheiten des Arbeitsplatzes, der Umgebung sowie der Arbeitsabläufe. Dazu zählen nicht nur Arbeitstisch und -stuhl, sondern beispielsweise auch Lärm, Beleuchtung und Raumtemperatur. Arbeitnehmer haben das Recht, von ihrem Arbeitgeber eine Analyse zu fordern und angehört zu werden.

Arbeitsflächen und Bürostühle
Weil die Menschen unterschiedlich groß sind, brauchen sie auch verschiedene Grundeinstellungen der Tisch- und Stuhlhöhe. Arbeitstische müssen sich deshalb verstellen lassen. Die Norm empfiehlt eine variable Höhe zwischen 68 und 76 Zentimetern. Die Sitzhöhe bei Bürostühlen sollte zwischen 38 und 52 Zentimetern vom Boden liegen; die Höhe der Rückenlehnenoberkante mindestens 45 Zentimeter von der Sitzhöhe aus. Eine bequeme Arbeitshaltung am Schreibtisch erfordert Bewegungsraum für die Beine. Die sogenannte "Beinraumtiefe" zwischen Stuhl und Tischende sollte etwa 60 Zentimeter betragen. Arbeitsflächen sind ausreichend groß, wenn ihre Maße mindestens 1 600 Millimeter Breite und 800 Millimeter Tiefe betragen. Wenn wechselnde Tätigkeiten oder unterschiedliche Arbeitsabläufe anfallen, sollte die Fläche vergrößert werden. Damit Abläufe effizient bewerkstelligt werden und die Armmuskulatur geschont bleibt, sollte vor der Tastatur mindestens 10 Zentimeter Auflagefläche für die Hände vorhanden sein. Als Tiefe für Vorlagen und Manuskripte werden 30 Zentimeter - zwischen Tastatur und Bildschirm - empfohlen. Der Bildschirm muß zur Anpassung an die individuellen Bedürfnisse leicht drehbar und neigbar sein; das Bild muß stabil und frei von Flimmern sein. Der Sehabstand zu Monitoren sollte zwischen 60 und 80 Zentimetern liegen. Außerdem sollte die Sehachse nach unten geneigt sein, weil das entspannend für Kopf und Augen ist. Der Neigungswinkel sollte etwa 25 bis 35 Grad (ausgehend von den Augen) betragen.
Bildschirmarbeitsplätze sollten wegen zu hoher Leuchtdichte nicht direkt am Fenster angeordnet sein und am besten parallel zur Hauptfensterfront. Die horizontale Beleuchtungsstärke auf Höhe der Schreibtischfläche sollte bei mindestens 500 Lux an jedem Arbeitsplatz liegen. Der vorgeschriebene Grenzwert zur Lärmminderung beträgt 55 Dezibel. Wo dieser Wert nicht eingehalten werden kann, sind Maßnahmen zur Geräuschminderung durchzuführen wie schallschlucken-de Böden, räumliche Trennung von Lärmquellen (zum Beispiel Drucker) oder Stores vor den Fenstern. 21 bis 22 Grad Celsius ist die empfohlene Temperatur bei leichter sitzender Tätigkeit. Wichtig ist, die Wärmeabstrahlung von Geräten und die Anzahl der in einem Raum arbeitenden Menschen zu berücksichtigen. Die Frage nach anfallenden Kosten für die Neugestaltung von PC-Arbeitsplätzen kann mit Nein beantwortet werden, wenn die Möbel von Markenherstellern angeschafft wurden. Diese Möbel erfüllen die geforderten Eigenschaften. Detaillierte Informationen zur EU-Richtlinie gibt es bei den Berufsgenossenschaften, auch einzelne Hersteller halten Info-Broschüren bereit. Frank Bantle

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