ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2001Prionen: Bluttest auf BSE in Vorbereitung

AKTUELL: Akut

Prionen: Bluttest auf BSE in Vorbereitung

Dtsch Arztebl 2001; 98(27): A-1789 / B-1513 / C-1411

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Schweizer Forscher haben einen Test entwickelt, der theoretisch in der Lage ist, kleinere Mengen von infektiösen Prionen nachzuweisen – den vermuteten Erregern der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) und anderer Prionenerkrankungen. Die Grundidee des Tests ist einfach: Gewebeproben mit infektiösen Prionen
(PrPsc) werden mit dem normalen Hirnprotein (PrPC) inkubiert. Dies führt nach der Hypothese von Stanley Prusiner dazu, dass die infektiösen
PrPsc die normalen PrPC in einer Kettenreaktion allmählich ebenfalls in
PrPsc umwandeln. Ein Prozess, der beim infizierten Tier über Monate bis Jahre hinweg zu den charakteristischen Hirnablagerungen führt, lässt sich auch in-vitro reproduzieren – allerdings in quälender Langsamkeit, denn die Proteine lagern sich zu einem Komplex zusammen, der die Umwandlung abbremst.

Gabriele Saborio und Mitarbeiter vom Serono Pharmaceutical Research Institute in Genf ist es jedoch gelungen, den Prozess zu beschleunigen (Nature 2001; 411: 810–813). Sie bestrahlten die Gewebeprobe nach kurzer Zeit mit Ultraschall. Dadurch zerbricht der Proteinkomplex, und die Umwandlung von PrPC zu PrPsc beginnt in jedem Fragment von Neuem. Dieser Zyklus aus Vermehrung und Aufbrechen und erneuter Vermehrung, den die Forscher „Protein Misfolding Cyclic Amplification“ (PMCA) nennen, ermöglicht es, so an einem Tag das nachzumachen, wofür die Natur Jahre benötigt. Das Verfahren erinnert im weitesten Sinne an die Polymerasekettenreaktion (PCR). Hier wie dort kommt man durch die wiederholte Amplifikation zu einer exponentiellen Vermehrung des gesuchten Substrats (hier der Prione, dort der Gene), bis sie mit konventionellen Nachweismethoden erkannt werden.

Wie die PCR, so sollte die PMCA theoretisch in der Lage sein, ein einzelnes Molekül nachzuweisen. Die Methode würde sich deshalb auch als Nachweistest im Blut eignen. Ob dies gelingt, ist jedoch noch offen. Bisher funktioniert PMCA erst an mit Scrapie infizierten Hamstern und dort auch nur bei infiziertem Hirnmaterial. Dann müssten Sensitivität und Spezifität des Tests untersucht werden. Schließlich ist längst nicht klar, dass die Prionen im Blut überhaupt über längere Zeit vorhanden sind. Rüdiger Meyer
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