ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2001Gesundheit ist nicht das höchste Gut: Widersprüche

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Gesundheit ist nicht das höchste Gut: Widersprüche

Dtsch Arztebl 2001; 98(27): A-1807 / B-1530 / C-1426

Opderbecke, H. W.

zu dem Beitrag Embryonenforschung in Europa von Prof. Dr. theol. Ulrich Eibach in Heft 14/2001
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LNSLNS Ohne die grundsätzlichen Feststellungen Eibachs zur Unantastbarkeit der Menschenwürde infrage stellen zu wollen, sehe ich doch in zwei Punkten seiner Ausführungen Widersprüche:
- Eibach äußert, Voraussetzung für „individuelles Leben“ sei, dass „ein zu einer Ganzheit integriertes, also organismisches Lebensgeschehen feststellbar sein (muss), das in Interaktion mit seiner Umwelt (beispielsweise Eileiter, Gebärmutter) zu einer eigenständigen Lebensdynamik fähig ist (Stoffwechsel, Wachstum)“.
Nun liegt es aber auf der Hand, dass das nach der Befruchtung entstehende Zellkonglomerat ohne Nidation nicht lebensfähig ist. Wird die Nidation durch natürliche oder künstliche Umstände verhindert, geht der Zellverband zugrunde.
- Eibach wendet sich gegen den Standpunkt der Abhängigkeit einer Teilhabe an der Menschenwürde von der Entwicklung bestimmter Bereiche des Großhirns.
Es besteht aber spätestens seit der Verabschiedung des Transplantationsgesetzes vom 5. November 1997 ein allgemeiner Konsens, dass mit dem Hirntod der Individualtod des Menschen eingetreten ist und danach Teile des menschlichen Organismus für medizinische Zwecke verwendet werden dürfen.
Wenn man also der Linie Eibachs konsequent folgen wollte, verstieße sowohl der Gebrauch der Spirale zur Empfängnisverhütung als auch die Organentnahme zu Transplantationszwecken beim hirntoten Organismus gegen die Menschenwürde.
Meines Erachtens muss ein ethisches Prinzip unabhängig von seinen Wurzeln in sich schlüssig sein, um den Anspruch allgemeiner Verbindlichkeit erheben und als Vorgabe für den Gesetzgeber dienen zu können.

Prof. Dr. med. habil. H. W. Opderbecke,
Kesslerplatz 10, 90489 Nürnberg
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