ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2001Homöopathie: Abgeschmackte Diskussion

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Homöopathie: Abgeschmackte Diskussion

Dtsch Arztebl 2001; 98(27): A-1815 / B-1536 / C-1432

Lang, Christoph J. G.

Zu dem Leserbrief „Nicht eine Meinung, sondern der Körper entscheidet“ von Dr. med. Manfred Doepp in Heft 23/2001, der sich auf den Beitrag „Doppelblind bei alternativen Heilverfahren“ von Georg Ivanovas in Heft 13/2001 bezog:
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LNSLNS Es ist doch alles gar zu durchsichtig: Der Homöopath scheut die wissenschaftlich fundierte rationale Überprüfung seiner Handlungsgrundlagen und -resultate wie der Teufel das Weihwasser. Wenn schon der Beweis für die Richtigkeit und Wirksamkeit dieses mundus inversus in nunmehr 200 Jahren nicht gelang, so soll wenigstens auch die Widerlegung in den nächsten 200 Jahren nicht gelingen. Deshalb der Rückzug auf die so unvergleichliche Individualität jedes Patienten, die geradezu idosynkratisch einmalige (computergestützte!) Therapie, die Inkommensurabilität mit logischen, empirisch bewährten Prüftechniken. So hat sich noch stets eine Pseudowissenschaft verraten! Die Schelte der „Vorwissenschaftlichkeit“ etc. an die Vertreter einer seriösen – und falsifizierbaren – naturwissenschaftlich begründeten und natürlich auch empathischen und klientenzentrierten Medizin kann man nur als Projektion verstehen. Mein Körper jedenfalls, zu dem auch mein Gehirn gehört, hat dies entschieden.
Ich frage mich, warum das Deutsche Ärzteblatt sich bemüßigt fühlt, derartigen Aposteln (bei Glaubenssätzen ist dieser Ausdruck sicherlich passend) ein Forum zu gewähren und damit eine Diskussion loszutreten, die zu Zeiten Hahnemanns noch amüsant oder ernsthaft gewesen sein mag, inzwischen aber doch sehr abgeschmackt wirkt. Es ist bemerkenswert genug, dass sich die Homöopathie mit einem potenziell unschlagbaren Stundenhonorar in der GOÄ eingenistet hat, aus der sie so leicht nicht wieder zu vertreiben sein wird. Wer sich aktuell und abschließend zu dem Thema informieren möchte, sei auf das Buch von Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Otto Prokop: Homöopathie. Ullstein, Frankfurt/M., 1995, oder auf die Internetadressen www.hcrc.org/ncahf/pos-pap/homeop.htm (Positionspapier der NCAHF) und www.neuropsychiater.org/homoep.htm (Aufsatz von Steven Barrett, MD) verwiesen.
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Christoph J. G. Lang, Neurologische Universitätsklinik, Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen
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