ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2001Ketoazidose: Neuer Bluttest für die Selbstkontrolle

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Ketoazidose: Neuer Bluttest für die Selbstkontrolle

Dtsch Arztebl 2001; 98(27): A-1842 / B-1556 / C-1452

Böhm, Sonja

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LNSLNS Die Ketoazidose ist eine gefürchtete Komplikation des Diabetes mellitus. Die jährliche Inzidenz beträgt bei insulin-behandelten Diabetikern fünf bis acht Prozent, bei Neumanifestation weisen sogar 20 bis 40 Prozent der Diabetiker eine solche Stoffwechselentgleisung auf. Nach wie vor liegt die Mortalität bei der Ketoazidose bei drei bis vier Prozent – das Risiko steigt, je später die Entgleisung erkannt wird.
Ein neuer Bluttest, der erstmals bei der Jahrestagung der Deutschen Diabetesgesellschaft in Aachen präsentiert wurde, ermöglicht es Patienten, selbst ihr Blut auf Ketonkörper zu testen. Die Messung erfolgt mit speziellen Teststreifen in einem Blutzuckermessgerät (Precision Xtra, Abbott MediSense). Getestet wird auf b-Hydroxybutyrat (OHB).
Dieser Metabolit entsteht neben Aceton und Acetoacetat, wenn der Organismus seinen Energiebedarf aufgrund eines absoluten oder relativen Insulinmangels nicht mehr über Glukose decken kann, sondern auf den Triglyzerid-Stoffwechsel zurückgreifen muss. OHB ist der Parameter, der am sensitivsten auf Veränderungen reagiert und daher seit Jahren zum Ketose-Monitoring etwa auf Intensivstationen genutzt wird, erläuterte Dr. Andreas Pfützner (Mainz).
Im Vergleich zu den herkömmlichen Urin-Teststreifen auf Aceton oder Acetoacetat hat der Test aus der Fingerbeere verschiedene Vorteile, so Pfützner: Man erhält einen aktuellen quantitativen Wert, während der
Urinketontest nur einen um mehrere Stunden verzögerten semiquantitativen Wert liefert. Der OHB-Test ist spezifischer und sensitiver: Beim Urintest können eine Reihe häufig verordneter Medikamente mit Sulfhydrilgruppen, etwa Captopril oder Acetyl-Cysteinsäure, zu falsch positiven Resultaten oder aber hohe Dosierungen von Vitamin C zu falsch negativen Testergebnissen führen. Der OHB-Test ist zudem besonders einfach durchzuführen. Zu den Diabetikern, die mit den neuen b-Hydroxybutyrat-Teststreifen versorgt werden sollten, gehören zum Beispiel Insulinpumpen-Patienten, empfahl Dr. Andreas Reichel (Dresden).
Denn es bestehe immer die Gefahr, dass es zu einer – vom Patienten unbemerkten – Unterbrechung der Insulinzufuhr kommt. Katheter- oder Nadelverstopfungen, Leckagen im Bereich des Reservoirs und des Katheters, Diskonnektionen von Verbindungen oder das Herausrutschen der Nadel seien mögliche Ursachen. Da die Wirkdauer des in den Pumpen verwendeten Insulins sehr kurz ist, beginnt bereits nach wenigen Stunden die Ketogenese.
Weitere Kandidaten für die Selbsttestung sind Diabetiker, die bereits einmal eine Ketoazidose hatten; das Wiederholungsrisiko liegt nach Angaben von Prof. Helmut Henrichs (Quakenbrück) bei über 40 Prozent. Auch akuter Stress, Infektionen etwa von diabetischen Fußulzera oder auch Operationen sind ein häufiger Grund für schwere Stoffwechselentgleisungen. In solchen Situationen sei die Selbsttestung daher auch sinnvoll, so Henrichs. Sonja Böhm
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