ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2001Arbeiten im Ausland: Blick über den Gartenzaun

THEMEN DER ZEIT

Arbeiten im Ausland: Blick über den Gartenzaun

Dtsch Arztebl 2001; 98(28-29): A-1864 / B-1572 / C-1468

Kühn, Beate

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LNSLNS Für Ärzte im Praktikum oder in der Weiterbildung und Fachärzte, die im Ausland arbeiten möchten, gibt es viele Informationsmöglichkeiten.

Eine Reihe von Beiträgen zu den Internet-Foren des Deutschen Ärzteblattes (www.aerzteblatt.de) stammt von jungen Ärzten, die ihr Glück im Ausland gesucht und gefunden haben. Sie schwärmen von der hervorragenden Ausbildung in Australien, der Kollegialität und den Verdienstmöglichkeiten in Frankreich oder den geregelten Arbeitszeiten und der flachen Hierarchie in Norwegen. Negatives ist kaum zu lesen. Häufige Motivation für das Auswandern sind schlechte Erfahrungen in deutschen Krankenhäusern.
Es gibt aber auch andere Gründe für einen Arbeitsaufenthalt im Ausland. Da die Vereinigung Europas immer weiter voran schreitet, wird ein „Blick über den Gartenzaun“ immer wichtiger. Wer bereits in seiner AiP-Zeit andere Verhältnisse als die deutschen kennen lernen möchte, sollte sich zunächst gut informieren. Um Überraschungen zu vermeiden, muss vorher mit dem zuständigen Landesprüfungsamt geklärt werden, ob die im Ausland geleistete Tätigkeit anerkannt wird. (Für die Anerkennung wird übrigens eine Gebühr erhoben.)
Für die Anrechnung auf die Facharztausbildung sind die Lan­des­ärz­te­kam­mern zuständig. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Internetseiten der Bundes­ärzte­kammer (www.baek.de/30/Auslandsdienst/index.html). Wichtige Antworten sind bereits in der Rubrik „Frequently asked questions“ (FAQs) zu finden.
Ausführliche Informationen zu Bewerbungsmodalitäten in verschiedenen Ländern und viele hilfreiche Adressen bietet die Universität Marburg im Internet an (www.med.uni-marburg.de/fsmed/aginternationales/seiten/handbuch. html). Verschiedene Versicherungen und Finanzdienstleistungen halten ebenfalls mehr oder weniger nützliche Tipps auf ihren Internetseiten parat. In jedem Fall ist es ratsam, Informationen aus dem Netz auf ihre Aktualität hin zu überprüfen. Was vor drei Jahren galt, muss heute nicht mehr stimmen. Wer auf der sicheren Seite stehen möchte, fragt beim Akademischen Auslandsamt seiner Universität nach. Dort gibt es außerdem Informationen über Austauschprogramme. Der DAAD ist ebenfalls ein wichtiger Ansprechpartner.
Die Auslandsabteilung des Marburger Bundes kann auf langjährige Erfahrung zurückgreifen: Seit 30 Jahren berät sie dessen Mitglieder zu Tätigkeiten im Ausland. Der Verband hält viele Kontakte zu Partnerorganisationen und Vermittlungsagenturen. Mit zahlreichen Informationsbroschüren und Merkblättern sowie persönlicher Beratung steht er Famulanten, PJlern und AiPs ebenso wie Ärzten in der Weiterbildung oder Fachärzten hilfreich zur Seite.
Approbierte Ärzte und Zahnärzte, die es nach Norwegen oder Schweden zieht, werden über spezielle Projekte der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) gut betreut. In diesem Jahr wurden bereits mehr als 400 Ärzte und Zahnärzte über die ZAV nach Norwegen vermittelt. Die Zahl der Allgemeinmediziner ist dabei rückläufig, da sowohl der Bedarf in den skandinavischen Ländern als auch die Bewerberzahlen aus Deutschland abnehmen.
Über die ZAV werden jedoch nicht nur Skandinavien-Fans vermittelt. Arbeitsaufenthalte von Fach- und Führungskräften in anderen Industrieländern beziehungsweise in Entwicklungsländern werden ebenfalls unterstützt.
Deutsche Fachärzte sind zurzeit besonders in Frankreich gefragt. Dort wird die Anzahl der Studienplätze staatlich geplant. Durch eine Fehlkalkulation herrscht inzwischen ein akuter Ärztemangel, den die Franzosen nicht aus eigener Kraft decken können. In Großbritannien gibt es lange Wartelisten für Patienten und viel Arbeit für Ärzte. Die Krankenhäuser sind allerdings nicht so gut ausgestattet, wie man es aus Deutschland gewohnt ist.
Geringer Bedarf an Ärzten besteht in Italien, Spanien, Portugal und Österreich. Ein Forumsteilnehmer meldete aus der Schweiz, dass dort der Konkurrenzdruck unter den Ärzten zunehme. Wer nicht nur Begeisterung für den Schweizer Franken zeige und sich darum bemühe, den Schweizer Dialekt zu erlernen, könne trotzdem wohlwollend aufgenommen werden.
Da in Deutschland der „Patiententourismus“ aus den europäischen Nachbarländern voraussichtlich zunehmen wird, sind die im Ausland erworbenen Sprachkenntnisse auch hier von Vorteil. Zudem können positive Erfahrungen mit Organisationsstrukturen im Ausland dabei helfen, die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern zu verbessern. Beate Kühn


Zum Thema „Arbeiten im Ausland“ hat das Deutsche Ärzteblatt ein neues Internet-Forum eingerichtet (www.aerzteblatt.de).



Marburger Bund-Auslandsabteilung
Riehler Straße 6, 50668 Köln
Telefon: 02 21/97 31 68-0

Zentralstelle für Arbeitsvermittlung
der Bundesanstalt für Arbeit (ZAV)
Villemombler Straße 76, 53123 Bonn
Telefon: 02 28/7 13-0
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