THEMEN DER ZEIT

Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2001; 98(28-29): A-1868 / B-1575 / C-1471

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LNSLNS DÄ: Welchen Stellenwert hat der Umweltschutz in Ihrem Krankenhaus beziehungsweise für Ihre Krankenhausträgergesellschaft. Wieviel Personen sind damit befasst, hat sich die Insti-tution des Umweltauditors/Umweltschutzbeauftragten in Ihrem Krankenhaus bewährt?

Bulle: Der Umweltschutz hat seit mehreren Jahren einen hohen Stellenwert für die Krankenhausträgergesellschaft Kath. St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund gGbmH (Kranken- und Pflegeeinrichtungen), die rund 2 200 Beschäftigte hat. Hauptamtlich sind zwei Personen mit dem Gebiet des Umweltschutzes befasst, nämlich eine Betriebsbeauftragte für Abfall und ein Umweltauditor. Als Umweltauditor bin ich für das Umweltmanagementsystem und teilweise für den Arbeitsschutz zuständig. Das zweiköpfige Umweltteam ist organisatorisch und budgetmäßig ein Bestandteil der Technischen Abteilung. Der Leiter dieser Abteilung ist gleichzeitig Umweltschutzbeauftragter. Die kaufmännische Direktorin des Krankenhausträgers ist die Umweltmanagementverantwortliche. Aus meiner Sicht hat sich diese Organisation bewährt.
DÄ: Erarbeiten Sie regelmäßig eine Krankenhausumweltschutz-Bilanz und einen Umweltjahresreport? Hat Ihr Krankenhaus ein Umweltmanagement gemäß EG-Öko-Audit eingeführt? Wieviel finanzielle Mittel werden speziell in den Umweltschutz und in die Krankenhausökologie gesteckt (insbesondere Anteil der umweltschutz-bezogenen Maßnahmen am Krankenhausgesamtbudget)? Können Sie konkrete Zahlen nennen für
– Energie-Einsparungen;
– weniger Wasserverbrauch;
– weniger Abfall/Müll?

Bulle: Wir erarbeiten im Rahmen unseres Umweltmanagementsystems regelmäßig einen Umweltreport (bzw. Umwelterklärung). Dieser enthält auch eine kurz gefasste Umweltbilanz. In den letzten zwei Jahren (1999 bis 2001) ist innerhalb der Krankenhausträgergesellschaft an zwei von drei Krankenhäusern sowie an einem Altenheim ein Umweltmanagementsystem gemäß der EG-Öko-Audit-Verordnung eingeführt worden.
Der Anteil des Umweltschutzes am Krankenhausbudget ist nicht bekannt, weil diese Aktivitäten unter dem Dach der Technischen Abteilung angesiedelt sind. Am St.-Johannes-Hospital, dem größten unserer Häuser, ist es innerhalb von zwei Jahren (1998 bis 2000) gelungen, beim Heizenergieverbrauch 15 Prozent und beim Wasserverbrauch 9 Prozent einzusparen. Auch die Mengen an
verschiedenen Abfällen konnten in den letzten Jahren erheblich gesenkt werden. Ein Beispiel dafür ist die Senkung des Aufkommens von Pflegerestmüll um 39,5 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre (1994 bis 2000). Diese Erfolge haben auch erhebliche positive finanzielle Auswirkungen für das betreffende Krankenhaus.

DÄ: Finden regelmäßige Mitarbeiterschulungen und -unterweisungen statt, und wie sensibilisiert sind das Krankenhausmanagement, die leitenden Führungskräfte und das Mitarbeiter-Personal für Umweltschutzprobleme, und wie werden sie in die Pflicht genommen?
Bulle: Innerhalb der verschiedenen Häuser gibt es regelmäßige Mitarbeiterschulungen und -unterweisungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Unterstützt werden die Schulungen durch Artikel in der Mitarbeiterzeitung und spezielle Umweltinformationsblätter. Bei den vom Umweltteam in der letzten Zeit durchgeführten Umweltbetriebsprüfungen in den verschiedenen Häusern stellte sich regelmäßig heraus, dass die Mitarbeiter am Umweltschutz interessiert sind. Aber trotzdem ist eine Motivierung notwendig. Verstärkt gilt dies auch für die Führungskräfte.

DÄ: Gibt es in Ihrem Krankenhaus spezielle, pionierhafte Entwicklungen auf dem Gebiet der Krankenhausökologie, insbesondere bei der Abfallbeseitigung, der Abwasserproblematik oder der Mehrfachverwendung von Hilfsmitteln und Verpakkungsmitteln?

Bulle: Als Beispiel für pionierhafte Entwicklungen auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft kann die Entwicklung des Wertstoffsammlers „Uno“ und von Piktogrammen für Deckelsäcke (Damenhygiene/Einmalwindelhosen) durch meine Umweltteamkollegin (Betriebsbeauftragte für Abfall) angeführt werden.


Fragen an Dipl.-Chemiker Ulrich Bulle, Umwelt-Auditor der Kath. St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund gGmbH (Kranken- und Pflegeeinrichtungen) in Dortmund
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