VARIA: Post scriptum

Heimweh des Poeten

roe

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LNSLNS A.R.- diese Buchstaben signieren von Zeit zu Zeit das Post Scriptum des Deutschen Ärzteblattes: A.R. - das ist Arno Reinfrank (61), Poet eigener Art, Moralist hohen Anspruchs, Nachkriegs-Emigrant freien Willens.
Seit vier Jahrzehnten in London lebend, durch die achtziger Jahre Generalsekretär des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, offenbart Arno Reinfrank jetzt in einer Auswahl seiner Lyrik Heimweh, nicht einfach Sehnsucht nach dem Mutterland, der Pfalz am Rhein, sondern komplexes Wehleid ums Vaterland, konzentriert auf die alte Kurpfalz und auf das/die neue Rheinland-Pfalz. Ein kleiner Ausschnitt nur, ein regionaler eben, des reichen lyrischen Œuvre Reinfranks, der im Westen und im Osten vor allem mit seiner "Poesie der Fakten" Anerkennung fand, mit einer Heine wie Brecht verbundenen Lyrik, die der modernen Wissenschaft huldigt und - ihr gleichzeitig mißtrauend und ihren Mißbrauch fürchtend - sie kategorisch der Humanität verpflichtet.
So dürfte das Sammelbändchen "Das ferne Blau der Pfalz", aus dem zwei Gedichte hier beispielhaft wiedergegeben sind, über das landschaftlich begrenzte Interesse hinaus neugierig machen auf den noch in diesem Jahr zu erwartenden neunten Band der Poesie der Fakten. roe


Blick ins Rheintal
Süß blühen die Veilchen
am römischen Fundgrab.
Weit sieht man das Tal
des schimmernden Rheins.


Wie ordentlich liegen
die weißen Kasernen;
von jenseits des Ozeans Legionen im Tal.


Am Grab der Erobrer
stehe und schau ich.
Ein Steinbruch klafft rosa
im nahen Gebirg.


Dort leuchtet das Herz
der unsterblichen Heimat.
Aus früher Geschichte
wächst jung sie hervor.
Blick in einen Spiegel
Will ich zurück ins deutsche Land,
das flüchtend ich verlassen?
Bedeutet Draußenbleiben nicht,
den eignenen Schatten hassen?


Zieht es mich hin, wo ich als Kind
mit anderen Kindern spielte?
Und wo die Polizistenhand
in meinem Spielzeug wühlte?


Bin ich getrennt nicht Spreu
im Wind,
gehör ich nicht zum Ganzen?
Ich liebe diese Land und kann
doch nicht auf Gräbern tanzen.


Arno Reinfrank: Das ferne Blau der Pfalz, Exil und Heimweh, Ausgewählte Gedichte, Verlag Peter Guhl, Rohrbach Pfalz, ISBN 3-970 360-20-7, 80 Seiten, kartoniert, 19,80 DM. - Neu im Oktober aus dem gleichen Verlag: Arno Reinfrank, Bilder einer schrägen Welt, Poesie der Fakten 9, ISBN 3-970 360-21-5, 120 Seiten, kartoniert, 32 DM

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