BRIEFE

Hirntod: Scholastik

Dtsch Arztebl 2001; 98(28-29): A-1877 / B-1584 / C-1404

Dörner, Klaus

Zur Bekanntmachung der Bundes­ärzte­kammer „Erklärung zum Hirntod“ in Heft 21/2001:
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LNSLNS Wenn drei Fachgesellschaften, die BÄK und deren Wissenschaftlicher Beirat ohne erkennbare Not nochmals beteuern, wissenschaftlich rechtfertige der Hirntod als sicheres inneres Todeszeichen die Organentnahme, dann hört sich das eher nach Pfeifen im Walde an. Wenn zudem „anders lautende“ Äußerungen als „missverständlich“ wissenschaftlich „klargestellt“ werden, die „leider“ auch von einzelnen Ärzten kämen, dann ist das wissenschaftsfeindliche Scholastik und nimmt mir das Recht auf eine andere wissenschaftliche Meinung, selbst wenn ich derselben Meinung wäre. Darüber hinaus: Solange ich als Angehöriger, als Krankenschwester oder als teilnehmender Arzt weiterhin unfähig bin, den Hirntod als Tod wirklich wahrzunehmen, und solange die vulgärmaterialistische Gleichsetzung der physikalischen und der anthropologischen Ebene des Menschen als unwissenschaftlich gilt, ist die Behauptung unzulässig, die Hirntoddefinition sei „anthropologisch“ oder „biologisch“ (im vollen, die kulturelle Perspektive des Lebens der Menschen einbeziehenden Sinne des Wortes) begründet. Daher schließlich: Da die Bevölkerung – so meine Hypothese –, weil gegenüber ihrem realen Erleben ihr die Hirntoddefinition irrelevant bleiben muss, von den Vertretern der Wissenschaft geradezu in das Misstrauen hineingetrieben wird, hier werde um eines – guten – Zweckes willen die volle Wahrheit gebeugt, trägt ausgerechnet die Hirntoddefinition entscheidend zu der Verweigerung der meisten Menschen bei, sich einen Organspenderausweis zuzulegen.
Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Nissenstraße 3, 20251 Hamburg
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