ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1996Glaukom-Früherkennung: Augeninnendruck ist gut einstellbar

SPEKTRUM: Akut

Glaukom-Früherkennung: Augeninnendruck ist gut einstellbar

Kelm-Kahl, Inge

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LNSLNS Jeder zehnte Erwachsene über 40 Jahre weist einen erhöhten Augeninnendruck auf. Irreversible Schäden am Sehnerven oder am Gesichtsfeld liegen bei ein bis zwei Prozent dieser Altersgruppe vor, voraussichtlich 0,1 Prozent werden daran erblinden. Diese Daten nannte Prof. Fritz Dannheim auf einer Pressekonferenz des Initiativkreises zur Glaukom-Früherkennung e.V. in Frankfurt. Im Gegensatz zu diesen Zahlen steht nach Ansicht des Harburger Ophthalmologen die Unwissenheit potentieller Patienten: Nur acht Prozent der Bevölkerung ist laut einer Umfrage die Minimaldefinition des Glaukoms als erhöhter Augeninnendruck und Sehverlust geläufig. Fast 90 Prozent der Befragten hielten jedoch die GlaukomPrävention für wichtig und verlangten mehr Informationen. Dieses Ziel ist nach Ansicht Dannheims nur durch regelmäßiges Screening der über 40jährigen durch den Augenarzt zu erreichen.


Als angemessen gelten Untersuchungsintervalle von ein bis zwei Jahren. Dabei könnten auch diabetische oder hypertone Netzhautveränderungen sowie eine altersbedingte Degeneration der Netzhautmitte diagnostiziert werden. Da ein Fünftel der Patienten mit Glaukom einen normalen Augeninnendruck aufweist, muß neben der Augeninnendruck-Messung stets ein Gesichtsfeldtest durchgeführt werden.Von den 5-Jahres-Ergebnissen ausgehend, erscheint die Trabekulotomie für die meisten Glaukom-Formen Mittel der ersten Wahl, urteilte Prof. Franz Grehn von der Augenklinik Würzburg. Durch Trabekulotomie und lokale Instillation eines Zytostatikums kann bei Glaukompatienten eine kontinuierliche Senkung des Augeninnendrucks in den Bereich von 15 mm Hg erreicht werden.


Fünf ml Fluoruracil oder 0,2 mg/ml Mitomycin intraoperativ in den Kammerwinkel appliziert, verhindern die Bindegewebsproliferation, so daß zwei Drittel der Operierten keine weiteren Medikamente mehr benötigen. Mit medikamentöser Behandlung oder Lasertherapie kann bei jedem zweiten oder dritten Glaukom-Patienten ein Augeninnendruck von etwa 20 mm Hg erzielt werden. Dabei hat sich die Kombination mit einem Betarezeptorenblocker als effektiv erwiesen. Auch Latanoprost als Prostaglandin PGF2a oder Apraclonidin als 2a-Agonist bewirkte in Kombination mit einem lokalen Betarezeptorenblocker (Timolol) eine bis zu 20prozentige Senkung des Augeninnendrucks. Durch eine Monotherapie entweder mit Parasympathikomimetika (Pilocarpin), Sympathikomimetika oder Betarezeptorenblockern, die zur Zeit über 80 Prozent der Glaukom-Patienten erhalten, läßt sich der Augeninnendruck nur um etwa zehn Prozent senken.

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