VARIA: Schlusspunkt

Dortmunder Sargnägel

Dtsch Arztebl 2001; 98(28-29): [96]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Dortmunder Bier, Dortmunder Schach – Dortmund, die Stadt der tiefen Züge. Wenn dann der Präsident des Deutschen Schachbunds Egon Ditt noch unvorsichtig hinzufügt: „Dortmund ist nicht nur die heimliche, es ist die Hauptstadt des Schachs in Deutschland“, dann hat man es als Münchner nicht leicht in der Westfalenmetropole, zumal Bayern München mit seinen Fußballern ständig neue Wunden in deren zarter Seele aufreißt.
Lang, lang ist’s her, dass die Metzgerfrauen ihre Würste im gelb-schwarzen Trikot verkauften und die Borussia-Gartenzwerge von glorreichen Zeiten träumten. Inzwischen ist die Borussia-
H-Milch sauer, und im Juli ist ohnehin ausgefußballt. Die Schachspieler haben seit dem 12. Juli die Stadt erobert (noch bis einschließlich 22. Juli).
In dieser Zeit heiratet im Opernhaus kein Figaro, schmettern keine Chöre. Stille ist angesagt – auf der Bühne tragen die weltbesten Schachspieler ihre lautlosen Schlachten aus. Da werden Fallen gestellt, Bauern geopfert und erobert, manchmal in Zeitnot auch schlichtweg eingestellt, werden Damen gefesselt und Pfähle ins feindliche Fleisch getrieben, bis sie zu Sargnägeln werden.
Bis zu 1 100 Zuschauer aus nah und fern werden täglich gebannt die Züge ihrer Helden auf großen Bildwänden verfolgen und gleichzeitig den Erläuterungen von Großmeistern über Kopfhörer lauschen. Das WDR-Fernsehen wird in drei Sondersendungen berichten (15., 18. und 22. Juli, jeweils von 0:00 bis 1:00 Uhr, Wiederholungen am 16., 19. und 23. Juli von 10:30 bis 11:30 Uhr), wie neben den Großmeistern Adams, Leko, Morosewitsch und Topalow zwei Weltmeister unterschiedlicher Verbände, der Russe Wladimir Kramnik, der seinen Landsmann Kasparow entthronte, und der Inder Viswanathan Anand im stärksten Turnier des Jahres weltweit aufeinandertreffen (auch live im Internet). Darüber hinaus kommt es zum Duell von Dr. Robert Hübner gegen ein Schachprogramm (vermutlich „Fritz“); im „ewig“ faszinierenden Kampf „Mensch gegen Maschine“ trifft Tiefgründigkeit auf gewaltige Rechenkraft.
Doch auch in den Nebenturnieren wird beim „Sparkassen Chess Meeting“ der Slogan der Sparkasse „Denken Sie ein paar Züge voraus“ gefragt sein.
Sehen Sie, wie letztes Jahr der Dortmunder Schmittdiel als Weißer am Zug seinen Gegner Wegener mit einer herrlichen Opferkombination in wenigen Zügen mattsetzte?

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