ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Hausarzt/Facharzt: Aufforderung zum „Duell“

POLITIK

Hausarzt/Facharzt: Aufforderung zum „Duell“

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1922 / B-1618 / C-1514

Maus, Josef

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LNSLNS Der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands wehrt sich gegen die Angriffe des Internistenverbandes.
Auf die massiven Angriffe des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) gegen die hausärztliche Versorgung hat der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) mit harter Kritik, aber dennoch relativ besonnen reagiert. Die Internisten hatten die „Hausarzt-Philosophie“ grundsätzlich infrage gestellt und als rückwärts gewandt bezeichnet (DÄ, Heft 27/2001). Selbst zur Behandlung der großen Volkskrankheiten seien die Internisten besser geeignet als die Allgemeinmediziner.
Professor Dr. med. Klaus-Dieter Kossow spricht in seiner Entgegnung auf den Vorstoß der Internisten von einer „gezielten Verunglimpfung der Allgemeinärzte und einer rein gebietsärztlich orientierten Versorgungsphilosophie, die für den Hausarzt keinen Raum mehr lässt“. Der BDA-Vorsitzende wertet dies als einen „verzweifelten Versuch des BDI, nach den berufspolitischen Schlappen im letzten Jahr die eigenen Reihen auf dem Rücken der Allgemeinärzte“ wieder zu ordnen.
Hausärztliche Internisten im Selbstverständnis getroffen
Kossow bringt den Äußerungen der BDI-Sprecher vor allem deshalb wenig Verständnis entgegen, weil die bis dahin vorherrschende Geschlossenheit der Kassenärzte die Trendwende in der Gesundheitspolitik (zum Beispiel Ablösung des Arzneimittelbudgets) erst möglich gemacht habe. Ein solcher Konsens sei zu wichtig, „um ihn den Überlebensinteressen des BDI zu opfern“.
Der BDA-Vorsitzende hält es für absurd, der fünfjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin jegliche Qualität abzusprechen. Noch weniger aktzeptabel sei es jedoch, die gesamte „Versorgungsebene der Hausärzte“ abschaffen zu wollen. Dies treffe nicht nur die Allgemeinärzte, sondern berühre auch das Selbstverständnis der hausärztlich tätigen Internisten.
Deren Berufsverband (BHI) steht eindeutig zur Lotsenfunktion des Hausarztes. BHI-Vorsitzender Dr. med. Ulrich Piltz: „Angesichts begrenzter Ressourcen ist es ein nicht mehr vertretbarer Luxus, dass es hauptsächlich dem Belieben des Patienten überlassen bleibt, wann er welchen Arzt in Anspruch nimmt.“ Piltz hält es für ausgeschlossen, einen höheren Finanzbedarf bei der Politik und den Krankenkassen glaubhaft zu machen, ohne zugleich eine wirksame Leistungssteuerung anbieten zu können.
Vorwurf an den BDI:
„Offener Vertragsbruch“
Kossow wirft dem Berufsverband Deutscher Internisten „offenen Vertragsbruch“ vor. Gemeint ist damit die Vereinbarung zwischen BDA, BDI und der KBV zur Gliederung der ambulanten Versorgung. In dieser Vereinbarung hatten sich Internisten und Allgemeinärzte auf eine Arbeitsteilung bei gegenseitigem Verzicht auf bestimmte Leistungen veständigt.
Kossow meint, dass sich nunmehr auch die politischen Parteien überlegen müssten, „wie sie mit einem Verband umgehen, der die gesetzlich vorgeschriebene Trennung in Haus- und Fachärzte mit der im Sozialgesetzbuch festgeschriebenen Steuerungsfunktion für Hausärzte nicht anerkennt“.
Der BDA-Vorsitzende selbst will nicht lange warten und lädt deshalb die Führungsspitze des Internistenverbandes schon jetzt zum Show-down. Er schreibt an den BDI-Präsidenten Dr. med. Gerd Guido Hofmann: „Ich werde aber nicht mehr dulden, dass Sie in Heckenschützenmanier die Hausärzte diskriminieren. Ich fordere Sie daher zu einem Streitgespräch mit Pressebeteiligung auf und erwarte umgehend Ihre Terminvorschläge.“ Josef Maus
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