ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001104. Deutschen Ärztetag: Auf die Gefahr hinweisen

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

104. Deutschen Ärztetag: Auf die Gefahr hinweisen

Wollmann, Gudrun

zu unserer Berichterstattung vomin Heft 22/2001
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LNSLNS Die offiziellen Organe der Ärzteschaft tragen leider nur wenig dazu bei, das im Moment in der Gesellschaft brodelnde Bemühen zu unterstützen, angesichts zukunftsweisender Entscheidungsnotwendigkeiten zwischen einem ökonomischen Diskurs und einem Diskurs einer Ethik des Heilens zu differenzieren.
Ich möchte dies an einem Beispiel illustrieren: Aufgabe der Ärzteschaft wäre es, auf die Gefahr hinzuweisen, die in den Vorstellungen steckt, mit der über die PID als Möglichkeit zur Vermeidung „erbkranken Nachwuchses“ diskutiert wird.
Eine PID ist nur dann möglich, wenn eine IVF geplant ist. Sich genetisch belastet fühlende Paare müssten auf die noch normalen Fortpflanzungsrituale mit allen deren Freuden und inspirierenden Risiken verzichten, wenn sie eine PID durchführen lassen wollten. Ist diese Entfremdung im Denken erst einmal etabliert, entsteht – wie man es von der PND weiß – eine Nachfrage, die das Angebot rechtfertigt. Die Nachfrage fragt jedoch nicht mehr nach Ethik, sondern nur noch nach dem Preis. Dies dient zwar der Belegung gynäkologischer Abteilungen, lässt aber den Arzt in seiner individuellen Gewissensentscheidung verworren allein.
Dr. med. Gudrun Wollmann,
Am Mühlrain 24 e, 69151 Neckargemünd
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