ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001104. Deutschen Ärztetag: Wohltuende Offenheit

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

104. Deutschen Ärztetag: Wohltuende Offenheit

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1945 / B-1641 / C-1535

Link, Günter

zu unserer Berichterstattung vomZum Beitrag „Die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens“ von Gisela Klinkhammer und der dort zitierten Äußerung von Dr. med. Norbert Metke (Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg): „Ich sehe keinen Eigenwert in behindertem Leben.“:in Heft 22/2001
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wohltuend, mit welcher Offenheit gerade auf diesem Ärztetag brisante Themen wie etwa die Ethik-Diskussion angegangen wurden, ebenso auch die ausgewogene Zivilcourage des Präsidenten Hoppe, mit seiner nicht nur medizinischen, sondern ärztlichen Einstellung etwa zur PID. Aber merkwürdig fand ich doch, dass offensichtlich nicht bewusst – oder schamvoll nicht angesprochen – wird, dass das Thema PID unbeschadet der ethisch nicht vertretbaren Akzeptanz auch unter ökonomischen und damit gesundheitspolitischem Aspekt gesehen werden muss. Droht hier nicht auch ein Eigentor der Ärzteschaft, wenn Forderungen aus der gynäkologischen und biomedizinischen Ecke in den gesetzlichen Leistungskatalog aufgenommen werden sollen, der mit den vorhandenen Finanzmitteln schon jetzt nicht mehr ausreichend bedient werden kann. Zu Recht besteht der Anspruch auf leistungsgerechte Honorierung der Ärzteschaft – im Hintergrund ein Jammern der Gynäkologen über das Budgetkorsett –, und dann soll sich der Luxus geleistet werden, die finanzträchtige PID einzuführen mit der inhumanen Konsequenz, genetisch minderwertigen Nachwuchs zu verhindern. Ist ärztlich statt Wunscherfüllung nicht ein Behandlungsauftrag bei unerfülltem Kinderwunsch mittels Psychotherapie gegeben, womit die Menschenwürde für die Frau und den Embryo gewahrt bleiben und unser abendländisches Welt- und Menschenbild nicht infrage gestellt wird. Denn das Embryonalstadium ist kein „Niemandsland der Menschwerdung“! Erschütternd, wenn Mediziner vor dem Gremium eines Ärztetages wagen, zu äußern, sie würden im behinderten Leben keinen Eigenwert sehen. Das hat nichts mehr mit demokratischer Redefreiheit zu tun und disqualifiziert darüber hinaus einen Mandatsträger. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es in der PID- und Stammzellenauseinandersetzung weniger um Menschlichkeit im ethischen Sinne als um Ideologie – Forschernarzissmus, Materialismus? – geht. Herrn Montgomerys Befürchtungen, über die Stammzellforschung die Hintertüre zur PID öffnen zu können, bewölken bedrohlich den politischen Himmel. Darum mein besonderer Dank allen Kolleginnen und Kollegen, die – wie unser Bundespräsident – für unser humanitär geprägtes Arzttum eintreten, nicht zuletzt an dieser Stelle aber auch dem Chefredakteur, Norbert Jachertz, der nicht nur im DÄ ausreichend Raum zur Diskussion zu diesem schicksalsträchtigen Thema gibt, sondern darüber hinaus ehrlich seine eigene Sichtweise (Heft 3/2001) einbringt, was ihn nur ehren kann, auch wenn es leider Kollegen gibt, die ihm in dieser Position das Recht dazu absprechen wollen.
Dr. med. Günter Link,
Auf der Halde 13, 87439 Kempten


Zum Beitrag „Die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens“ von Gisela Klinkhammer und der dort zitierten Äußerung von Dr. med. Norbert Metke (Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg): „Ich sehe keinen Eigenwert in behindertem Leben.“:
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema