ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Simultanschach: Einmal den Meister schlagen . . .

THEMEN DER ZEIT

Simultanschach: Einmal den Meister schlagen . . .

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1949 / B-1645 / C-1538

Jürgens, Philip

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LNSLNS Bis nach Mitternacht versuchten 34 Simultanspieler einer
deutschen Schachlegende Paroli zu bieten. Meistens ging das schief.


Zum Auftakt der neunten Ärzte-Schachmeisterschaft am 23. März in Bad Homburg hatten die Teilnehmer drei Möglichkeiten: Sie konnten beim Vortrag von Harald Balló und Großmeister Dr. med. Helmut Pfleger Wissenswertes über das Leben und Spiel des Großmeisters Tarrasch erfahren, sie konnten beim Blitzschach-Turnier Reaktionsschnelligkeit zeigen und die Schachuhren im Sekundentakt traktieren – oder sich im Simultanschach mit einer echten Legende messen.
Schwarz oder Weiß? Das konnten sich die 34 Gegner von Wolfgang Unzicker beim Simultanschach aussuchen. Die erste Partie war schnell beendet: Mit dem einzigen Simultanteilnehmer, der ihn an Lebensjahren übertraf, Dr. med. Faulhaber, verständigte sich Unzicker auf Remis. Danach folgten zahlreiche Siege des Deutschen Rekordmeisters – bei wenigen Unentschieden.
Unzicker bewegte sich flotten Schrittes von Brett zu Brett, und die Zahl der Kontrahenten schmolz dahin. Das Wasserglas, aus dem er ab und zu trank, stellte der Großmeister nach einer Weile mit der gleichen Bestimmtheit auf den Tisch wie die geschlagenen Figuren. Je weniger Spieler es wurden, umso mehr Zuschauer versammelten sich um die noch verbliebenen.
Bei komplizierten Zügen stützte sich der Großmeister mit den Ellbogen auf den Tisch und runzelte die Stirn – für die ganz harten Fälle setzte er sogar kurz seine Brille auf. Dem letzten Gegner – fast fünf Stunden hatte die Simultanbegegnung bis dahin gedauert – bot Unzicker Remis an. Dieser zögerte jedoch, und der Großmeister war sofort bereit, das Spiel fortzusetzen. In den 34 Spielen erzielte Unzicker 27 Siege und sieben Remis.
Mit Applaus verabschiedeten die Teilnehmer den Großmeister, der seine physische und psychische Leistungsfähigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. Erneut deshalb, weil Wolfgang Unzicker bereits bei der ersten Schachmeisterschaft für Ärztinnen und Ärzte in Baden-Baden eine Simultanbegegnung mit ebenso großem Erfolg absolviert hatte. Dies liegt inzwischen neun Jahre zurück, und selbst da schon war
Unzicker in einem Alter, in dem heute Kassenärzte ihre Praxis abgeben
müssen. Philip Jürgens


Routine: Großmeister Wolfgang Unzicker gegen den „Rest der Welt“. Das Ergebnis war für die Ärzte niederschmetternd. Die Schachlegende gewann 27 von 34 Partien bei sieben Remis. Erst nach Mitternacht war Schluss.
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