ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Wachkoma-Patienten: Neue Behandlungsmethode

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Wachkoma-Patienten: Neue Behandlungsmethode

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1950 / B-1646 / C-1539

Pickenhain, L.

Zu dem Beitrag „Um Verbesserungen bemüht“ von Petra Bühring in Heft 19/2001:
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LNSLNS . . . (Die Verfasserin) erwähnt mit keinem Wort das Konzept und das Programm der „Basalen Stimulation“, das von Prof. Dr. Andreas Fröhlich (Universität Landau) und Frau Christel Bienstein (Universität Witten/
Herdecke) seit dem Ende der Siebzigerjahre entwickelt und in die Praxis umgesetzt wurde. Allerdings sind beide keine Ärzte, sondern Prof. Fröhlich ist Behinderten-Pädagoge und Frau Bienstein Leiterin einer Krankenpflegefakultät. Beide stellen mit vollem Recht nicht die klassischen medizinischen Behandlungsmethoden, deren Anwendung sie keinesfalls bestreiten, sondern die Schaffung optimaler Umweltbedingungen als notwendige Voraussetzungen für die Behandlung schwer wahrnehmungsbeeinträchtigter Menschen in den Mittelpunkt. Dieses Vorgehen wurde vom Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. in Düsseldorf in den Mittelpunkt ihrer Fördermaßnahmen gestellt. Von der Kaiserswerther Diakonie und anderen Fördereinrichtungen werden jährlich Speziallehrgänge in Basaler Stimulation durchgeführt, an denen jeweils 20 bis 30 Personen, ausgebildetes Pflegepersonal, Psychologen, ja sogar einige junge Ärzte teilnehmen, die nach etwa zwei Jahren ihre Zusatzausbildung mit einem Diplom abschließen.
Außerdem betreibt der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. einen Eigenverlag (verlag selbstbestimmtes leben), in dem eine umfangreiche Spezialliteratur über das Verfahren der Basalen Stimulation veröffentlicht wird. Die Konzeption der Basalen Stimulation wird von Prof. Fröhlich in einem Band von 317 Seiten dargestellt.
Ich weiß, dass es von ärztlicher Seite lange Zeit harten Widerstand gegen diese Verfahren gegeben hat, weil sie primär von Pädagogen und nicht von Medizinern entwickelt wurden. Ich selbst habe mich als führender Neurowissenschaftler um die spezielle zerebrale Situation derartiger Patienten gekümmert . . . und habe ein spezielles Buch über die neurowissenschaftlichen Grundlagen der Basalen Stimulation geschrieben . . . Auch in dem von mir initiierten „Lexikon der Neurowissenschaft“ . . . taucht das Stichwort „Basale Stimulation“ auf und wird als neue Behandlungsmethode für die Behandlung schwerstgeschädigter Menschen mit voller Bewusstlosigkeit erläutert. Sehr verdient gemacht hat sich Kollege Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Zieger von der Universität Oldenburg, der leider auch auf Widerstände bei ärztlichen Kollegen gestoßen ist . . .
Prof. Dr. med. L. Pickenhain, Holzhäuser Straße 8, 04299 Leipzig
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