ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Zertifizierung: Offenkundige Meinung

BRIEFE

Zertifizierung: Offenkundige Meinung

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1953 / B-1683 / C-1564

Bischoff, Jörn

Zu dem Leserbrief „Richtige Fragen stellen“ von Dr. med. David Klemperer in Heft 25/2001:
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LNSLNS . . . Der Schaden, den Unwissenheit in hohen politischen Ämtern sowohl volkswirtschaftlich als auch gesellschaftspolitisch anrichten kann, ist gewiss nicht von Pappe. Dass es Personen aus nichtmedizinischen Bereichen nichts ausmacht, dass ein Arzt sein Leben lang über Stöckchen springen muss, ohne eine adäquate Entlohnung (jetzt bitte nicht mehr die Swimmingpools der niedergelassenen Fachärzte aus den 70ern heranziehen, denn wir schreiben das Jahr 2001) dafür zu bekommen, ist eine bekannte Tatsache. Stimmen aus der Gesundheitspolitik selbst, die so offenkundig das Substrat dessen, was sie vom ärztlichen Berufsstand halten, als Leserbrief formulieren, sind in dieser Form allerdings selten.
Zu den wichtigsten einzelnen Punkten:
Die Kompetenz von Ärzten nimmt im Verlauf des Berufslebens zu. Nicht alle Personen in allen Berufszweigen leisten hervorragende Arbeit, und nicht wenige von denen, die dieses nicht tun, richten ebenfalls erheblichen Schaden an (Politiker, Anwälte, Heilpraktiker, Fußpfleger, Lehrer, Finanzbeamte, Journalisten usw.).
Was den Vergleich mit den USA angeht, sollte nicht nur die Verpflichtung des einzelnen Mediziners gesehen werden, sich fortzubilden, sondern auch die Verpflichtung des Staates, der seine Bürger kunstgerecht medizinisch versorgt wissen möchte, für die strukturellen Voraussetzungen zu sorgen. In den Vereinigten Staaten ist das Ausbildungs- und Weiterbildungssystem von erheblich besserer Qualität, die Berufschancen für Mediziner mit Facharztkompetenz mittlerweile mit den unseren nicht mehr annähernd vergleichbar. Hierzulande verschwindet eine Neufassung der Approbationsordnung nach der anderen für Jahre (die letzte schimmelt seit ihrem Beschluss im Bundestag im Jahr 1997 vor sich hin) in der Schublade, obwohl eine Novellierung des Ausbildungssystems seit langem überfällig ist. Soviel zum Thema „Transfer von neuen und nutzbringenden Erkenntnissen“, den Herr Senatsmitarbeiter Dr. Klemperer bei der Ärzteschaft in dramatischer Weise als zu langsam und vernachlässigt ansieht und deshalb, so möchte ich den Duktus des Briefes insgesamt interpretieren, gerne mit dem Wort Bringschuld auf dem Banner der Ärzteschaft restriktiv zu Leibe rücken möchte.
Im Bundesland Bremen, das neben den neuen Ländern das am höchsten aus Länderfinanzausgleichsmitteln alimentierte ist, sollte man vorsichtig damit sein, von politisch defizitärer Ebene anderen die Erledigung ihrer Hausaufgaben anzumahnen. Es gibt sogar Stimmen, die meinen, dass in der Öko-Hochburg Bremen die gewöhnliche Schulmedizin nur deshalb noch erlaubt ist, weil sich gelegentlich Bürgerschaftsmitglieder die Beine brechen und vom hoffentlich qualitätsgesicherten Heilpraktiker nicht suffizient therapiert werden konnten.
Jörn Bischoff, Weinbauernstraße 13 a, 81539 München
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