ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Stammzellen: Alternativen unerwähnt

BRIEFE

Stammzellen: Alternativen unerwähnt

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1954 / B-1650 / C-1543

Klimm, Rolf

Zu dem Interview mit dem Bonner Neuropathologen Prof. Dr. med. Oliver Brüstle „Die Mechanismen entschlüsseln und auf adulte Zellen anwenden“ in Heft 24/2001:
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LNSLNS Das ethische Problem beginnt nicht mit der Stammzellforschung, sondern der Dammbruch ist bereits mit der Zulassung der künstlichen Befruchtung erfolgt, welche notwendigerweise „überzählige Embryonen“ hervorbringt, „für die keinerlei Verwendung vorgesehen ist . . . “ (Brüstle). Seltsamerweise hat das bisher keine große Beachtung in der Gesellschaft gefunden. Was ist das für eine menschenverachtende Medizin, die die Vernichtung von 50 000 Embryonen hinnimmt, im Zeitraum eines einzigen Jahres, in dem erneut ein massiver „Überschuss produziert“ (DÄ, Heft 18/2000) wurde, und das mit der ärztlichen Verpflichtung zu neuen Behandlungsstrategien entschuldigt.
Brüstle spricht von pluripotenten Zellen, denn nur diese dürfen für die Forschung verwendet werden, zum Beispiel zur Herstellung von Ersatzgewebe insbesondere Nervengewebe. Bekannt ist, dass aus embryonalen Stammzellen spontan so genannte embryoid bodies entstehen können. Manche Forscher glauben, dass sie darüber hinaus auch das Entwicklungspotenzial zu einem vollständigen Embryo besitzen, damit wären sie totipotent und nach dem ESchG zur Forschung nicht zugelassen. Eine Klärung ist notwendig, entsprechende Experimente sollen am Anatomieinstitut der Universität Essen vorgesehen sein.
Außer den im Interview erwähnten adulten Stammzellen gibt es noch eine Vielzahl an Alternativen zur embryonalen Stammzellforschung, die unerwähnt bleiben . . . Nachdenklich macht der resignierende Lebensrückblick von Erwin Chargaff (Das Feuer des Heraklit): „Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Erkenntnisse haben mein Leben gekennzeichnet: erstens die Spaltung des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen ging es um Misshandlung des Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden Fällen habe ich das Gefühl, dass die Wissenschaft eine Schranke überschritten hat, die sie hätte scheuen sollen.“
Dr. med. Rolf Klimm, Bach 2, 83093 Bad Endorf
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