ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Tumeszenz-Lokalanästhesie: Indikation einschränken

MEDIZIN: Diskussion

Tumeszenz-Lokalanästhesie: Indikation einschränken

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1975 / B-1592 / C-1450

Frings, Norbert

zu dem Beitrag von Dr. med. Boris Sommer Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Augustin Prof. Dr. med. Erwin Schöpf Dr. med. Gerhard Sattler in Heft 9/2001
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LNSLNS Man muss der Arbeitsgruppe um B. Sommer/G. Sattler dankbar sein, dass sie bereits vor Jahren die Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) in Deutschland verbreitet hat. Diese Anästhesietechnik hat mit Sicherheit einen guten Indikationsbereich bei der Liposuktion sowie im phlebologischen Bereich bei der Exhärese von Astvarizen (Phlebektomie), bei einer paratibialen Fasziotomie oder einer Ulkusexzision mit plastischer Hautdeckung (Shave-Operation).
Da die TLA jedoch nach Angaben der Autoren nicht mit einer stärkeren Sedierung verbunden werden darf, so ist der Einsatz dieser Anästhesietechnik bei der Krossektomie mit Stripping-Operation – insbesondere im V.-saphena-magna-Bereich – wenig geeignet.
Der typische phlebologische Patient ist über 40 Jahre alt, weist häufig Übergewicht auf sowie eine begleitende Hypertonie oder Herzrhythmusstörungen. Ein völlig ungestörter Operationsverlauf, vor allem einer Magna-Krossektomie, kann nie sicher vorausgesagt werden. Insbesondere bei Verwachsungen sowie aneurysmatischen Aufweitungen der Krosse beziehungsweise ihrer Äste kann es zu Problemen bei der Präparation kommen mit deutlicher Verlängerung der Operationszeit. Wenn man in einer solchen Situation den Patienten nicht stärker sedieren darf, so wird die angespannte Operationssituation unweigerlich zu einer Stressbelastung des Patienten führen mit Blutdrucksteigerung und eventuell stressbedingter Herzrhythmusstörung. Diese lassen sich dann auch durch Entspannungsmusik nicht beheben. Bei der letztjährigen phlebologischen Jahrestagung ist über die Entwicklung eines Herzinfarktes im Gefolge einer Operation mit TLA berichtet worden. Da aber die TLA in Verbindung mit stärkerer Sedierung – wie in dem Artikel angegeben – in einer Frequenz von 1 zu 5 000 (!) zu Todesfällen führen kann, so stellt dieses Verfahren bei der Magna-Krossektomie und Stripping-OP keine geeignete Anästhesietechnik dar. Sowohl die Vollnarkose als auch die Durchführung einer reinen Lokalanästhesie mit Sedierung des Patienten müssen als vorteilhaftere und risikolosere Anästhesieformen angesehen werden: Vollnarkose – anästhesiebedingte Todesfälle in Deutschland 1 zu 85 000 laut dem Deutschen Anästhesiekongress 1995; Lokalanästhesie – auf dem 15. Internationalen Workshop für Phlebologie 2001 wurde von der eigenen Arbeitsgruppe vorgetragen, dass bei Lokalanästhesie mit Sedierung kein Todesfall bei über 100 000 Varizenoperationen zu beklagen gewesen war.

Dr. med. Norbert Frings
Mosel-Eifel-Klinik, 56864 Bad Bertrich

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