ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Tumeszenz-Lokalanästhesie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Tumeszenz-Lokalanästhesie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1977 / B-1672 / C-1485

Sommer, Boris

zu dem Beitrag von Dr. med. Boris Sommer Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Augustin Prof. Dr. med. Erwin Schöpf Dr. med. Gerhard Sattler in Heft 9/2001
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LNSLNS Wir sind dankbar für die Gelegenheit, auf wiederholt genannte Kritikpunkte einzugehen, da insbesondere einige der zitierten Quellen unserer Ansicht nach die Methode zu Unrecht in Verruf brachten und einer Gegenstellungnahme bedürfen. Warum schreiben Dermatologen über ein Thema mit anästhesiologischem und chirurgischem Schwerpunkt? Allgemein- und Leitungsanästhesien gehören in das Aufgabengebiet der Anästhesiologie, Lokalanästhesien traditionell in das des Chirurgen. Die Tumeszenz-Technik wurde von Dermatochirurgen/operativ tätigen Dermatologen eingeführt und weiterentwickelt. Der Terminus „Tumeszenz-Lokalanästhesie“ wurde von der Darmstädter Arbeitsgruppe geprägt, um die Zugehörigkeit zur Lokalanästhesie zu verdeutlichen. Warum gibt es Diskrepanzen bei den Letalitätsraten? Erfinder J. Klein und andere in der Methode meinungsbildende Kollegen beschreiben Richtlinien zur Durchführung der TLA-Technik, die gerade bei den Patienten, die in den zitierten Publikationen aufgeführt werden, nicht beachtet wurden. Bestes Beispiel hierfür ist die Arbeit von Rao et al. (Literaturstelle 13 im Originalartikel): zwei der fünf verstorbenen Patienten wurden in Allgemeinnarkose operiert, die anderen in tiefer Sedierung mit unzulässigen Infiltrations-/Aspirationsverhältnissen, sodass die Definition der TLA auf diese Fälle nicht anzuwenden ist. Zur Problematik der korrekten Berichterstattung und Statistik nehmen wir wie folgt Stellung: Die viel zitierte Arbeit von Grazer und de Jong (Literaturstelle 6 im Originalartikel) von 1999 wird aus den eigenen Reihen in gleicher Zeitschrift (2) unter anderem wegen mangelhaften Studiendesigns scharf kritisiert und als Weg zu einem besseren Risikoprofil die Durchführung der Liposuktion in der so genannten „Superwet-Technique“ (entspricht der TLA) empfohlen.
De Jong schreibt im Jahre 2000 ein versöhnliches Vorwort zu J. Kleins Buch „Tumescent Technique Liposuction“. Coleman et al. (1) versuchen eine Annäherung an korrektere Zahlen über die an einen amerikanischen Ärzteversicherungs-Dachverband tatsächlich gemeldeten Komplikationen (Malpractice claims liposuction, Physicians Insurance Association of America). Fazit: Keine schwerwiegenden Komplikationen oder Todesfälle wurden bei definitionskonformer TLA gemeldet.
Die von vielen „vermuteten Komplikationsraten“ werden von unseren klinischen Erfahrungen und der Literatur nicht bestätigt, sie bleiben daher Vermutungen. Die Idee einer zentralen Meldestelle ist allerdings eine gute Anregung, um dies zu objektivieren. Wir freuen uns, dass unsere wiederholten Forderungen nach größeren Studien jetzt so viel Nachdruck von kompetenter Seite erhalten haben.
Wir würden uns weiterhin freuen, wenn die angestoßene lebhafte Diskussion zu einer konstruktiven und Fachgrenzen übergreifenden Forschung und Förderung dieser nun einmal unleugbar bereits weit verbreiteten Methode führt (nach Schätzungen der American Academy of Cosmetic Surgery werden pro Jahr über 500 000 Eingriffe in TLA durchgeführt). Als Ziel würden wir uns im Interesse aller Beteiligten und zur weiteren Erhöhung der Sicherheit für den Patienten die Erstellung von gemeinsamen Leitlinien wünschen.

Literatur
1. Coleman WP, Hanke CW, Lillis P, Bernstein G, Narins R: Does the location of the surgery or the speciality of the physician affect malpractice in liposuction? Dermatol Surg 1999; 25 343–25 347.
2. Rohrich RJ, Muzaffar AR: Fatal outcomes from liposuction: census survey of cosmetic surgeons., discussion. Plast Reconstr Surg 2000; 106: 447–448.

Dr. med. Boris Sommer
Rosenparkklinik
Heidelberger Landstraße 20
64297 Darmstadt

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