ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001Grippeimpfung von Schulkindern in Japan

MEDIZIN: Referiert

Grippeimpfung von Schulkindern in Japan

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): A-1980 / B-1669 / C-1563

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LNSLNS Durch die Impfung von Schulkindern sank die in Japan hohe grippebedingte Mortalität älterer Menschen.
In Japan legte die große Grippeepidemie von 1957 den Verdacht nahe, dass als Streuherde in erster Linie Schulen fungierten und damit Schulkinder die „Hauptansteckungsquellen“ darstellten. Diese Beobachtungen führten zu einer weltweit einzigartigen Änderung der Impfstrategie: Ab 1962 wurde die Impfpflicht für Schulkinder eingeführt und war ab 1977 obligatorisch. Von Mitte der 70er-Jahre bis in die späten 80er-Jahre waren 50 bis 85 Prozent der japanischen Schulkinder geimpft. Langfristig führte jedoch die Angst vor Nebenwirkungen und das häufige Auftreten einer „Impfgrippe“ zu mangelnder Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung und 1994 auch zur Aufhebung der gesetzlichen Impfpflicht. In einer vergleichenden Studie konnten internationale Wissenschaftler bestätigen, dass Japan im Vergleich zu den USA unter einer deutlich erhöhten grippebedingten Mortalität leidet (erkennbar an der epidemiebedingten Zunahme der Gesamtmortalität oder auch den auf Grippe oder Pneumonien zurückgehenden Todesfällen).
Nach Beginn des Impfprogramms für Schulkinder sanken diese hohen Mortalitätsraten von bis zu drei- und vierfach erhöhten Fallzahlen auf Werte, die denen in den USA entsprachen. Die Impfung verhinderte
37 000 bis 49 000 Todesfälle pro Jahr, das entspricht einem Todesfall pro geimpften 420 Kindern. Nach Aufhebung der Impfpflicht kam es zu einem Wiederanstieg der Mortalitätsraten. Seit 1997 sollen in Japan zum direkten Schutz der Risikopopulation bevorzugt ältere und chronisch kranke Personen geimpft werden. Neuere epidemiologische Studien weisen aber auch andernorts auf die besondere Rolle des Kindergarten- und Schulmilieus bei der Ausbreitung ansteckender Krankheiten hin. In den USA, so die Autoren, laufen bereits Studien, die den epidemiologischen Erfolg einer Impfung mit inaktivierten Influenzaviren an Kindern ab dem 18. Lebensmonat untersuchen. goa

Reichert T A et al.: The Japanese experience with vaccinating schoolchildren against influenza. N Engl J Med 2001; 344: 889–896.

Thomas A. Reichert, Becton Dickinson and Entropy Limited, Upper Saddle River, NJ, USA.

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