ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2001zu Lebensversicherungen: Am Ende droht Schrecken

VARIA: Schlusspunkt

zu Lebensversicherungen: Am Ende droht Schrecken

Dtsch Arztebl 2001; 98(30): [164]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Vermutlich werden Inhaber von Lebensversicherungs-Policen in nächster Zeit Post von Ihrer Assekuranz bekommen. Dort werden Sie dann einen Satz finden, dergestalt etwa: „Angesichts der ungünstigen Kapitalmarktsituation sehen wir uns leider gezwungen, die Überschussbeteiligung anzupassen.“
Hinter der Mitteilung steckt ziemlicher Zündstoff. Die Ankündigung besagt, dass am Ende der Laufzeit keineswegs soviel Geld ausbezahlt werden wird wie ursprünglich prognostiziert. Schon ein halbes Prozentchen weniger kann ein kleines Vermögen ausmachen, das eben nicht mehr an den Versicherten fließt.
Die Gründe für das Vorgehen der Versicherer sind weniger die rückläufigen Kurse am Aktienmarkt als vielmehr die seit Jahren niedrigen Zinsen.
Da Zinspapiere die wichtigste Renditequelle für die „Überschussbeteiligung“ sind, ist es auch unmittelbar einsichtig, dass keine Versicherungsgesellschaft zum Beispiel sieben Prozent ausschütten kann, wenn am Markt nur fünf zu erzielen sind. Das kann eine Zeit lang funktionieren, aber nur auf Kosten der stillen Reserven.
Die Malaise vermag die Kunden überraschen, für die Versicherungswirtschaft ist sie nicht neu. Seit rund zwei Jahren warnt das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen die Branche davor, Überschussbeteiligungen auszuweisen, die vielleicht momentan noch aktuell sind, auf die nächsten Jahre gesehen aber nicht mehr haltbar sind.
Die Versicherten werden sich also tatsächlich auf weniger Kapital als erwartet einstellen müssen. Schlechte Aussichten also für Leute, die Praxisfinanzierungen oder Hauskredite zu „punktgenau“ abgeschlossen haben. Damit meine ich, dass zum Ablaufzeitpunkt der Lebensversicherung der gesamte Kreditbetrag mit dem – erwarteten – Auszahlungsbetrag der Lebensversicherung zurückgezahlt wird.
Möglicherweise deutet sich hier ein doppeltes Knallbonbon an. Zum einen eine mögliche Nachschusspflicht aus anderen Quellen, um den Kredit vollständig ablösen zu können. Andererseits aber könnten auch zu eng gestrickte Finanzierungsmodelle dem Fiskus gar nicht mehr gefallen, weil dann die berüchtigte Gewinnerzielungsabsicht unter Wasser zu geraten droht.
Für abgeschlossene Lebensversicherungen Vorsorge zu treiben ist also durchaus angesagt. Das Mindeste ist eine Nachfrage bei der betroffenen Assekuranz über die Ablaufsumme unter den neuen Prämissen.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema