ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2001Private Kran­ken­ver­siche­rung: In die Vollen

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: In die Vollen

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-1993 / B-1681 / C-1577

Clade, Harald

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LNSLNS Die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) liegt beim Lamentieren über die Ausgaben- und Kostenentwicklung stets auf Höchstniveau. Zielscheibe der Kritik sind die „Leistungsanbieter“. Die hausgemach-
te Kosten- und Ausgaben-Inflation wird geflissentlich übersehen.
Bei den Verwaltungs- und Abschlusskosten gehen die Versicherungsgesellschaften in die Vollen. Auch bei Marketing, Werbung und Abschlussprämien wird gepowert. Auf stolze 4,93 Milliarden DM (1999: 4,85 Milliarden DM) addieren sich die Verwaltungs- und Abschlusskosten der Branche im Jahr 2000. Die Leistungsausgaben betrugen 25,7 Milliarden DM (1999: 25,3 Milliarden DM). Dies sind reine Versicherungsleistungen. 2000 lagen die Gesamtaufwendungen für die Versicherten bei rund 50 Milliarden DM (1999: 46,7 Milliarden DM). Die erstatteten Kosten für die ambulante Arztbehandlung betrugen 6,16 Milliarden DM. Dies sind rund 23,2 Prozent, gemessen an den Versicherungsleistungen. Verwaltungs- und Abschlusskosten betrugen rund 18,6 Prozent, gemessen an den Versicherungsleistungen (ohne Regulierungskosten). Verwaltungs- und Abschlusskosten entsprechen 56,5 Prozent der Kosten für die ambulante privatärztliche Behandlung.
Im Übrigen vermeldet die Branche den zweitniedrigsten Kostenanstieg in der Krankheitskostenversicherung seit zehn Jahren. Die Ausgaben für Krankheitskosten je Versicherten erhöhten sich im Jahr 2000 um 2,8 Prozent, 1999 um 2,6 Prozent. Die nicht bestandsbereinigte Steigerungsrate betrug 4,4 Prozent – also unter Einschluss des Zuwachses an neu versicherten Personen (150 700) und der Prämienerhöhungen. „Ausreißer“ bei den Ausgaben sind die Leistungsbereiche Arzneien und Verbandmittel (+8 Prozent) und Heil- und Hilfsmittel (+3,8 Prozent), Ärzte ambulant (+3,2 Prozent). Trotzdem liegt der relative Anteil des Kostenblocks „Arznei-, Heil- und Hilfsmittel“ mit 15,5 Prozent und des für „Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie“ mit 13,6 Prozent noch niedriger als der Kostenblock „Verwaltungs- und Abschlusskosten“ mit 18,6 Prozent. Hier sollte der „Gesundheitsdienstleister“ PKV ansetzen, um die schiefen Verhältnisse wieder ins Lot zu bringen. Die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung mit einem ohnedies hohen Verwaltungsaufwand von 5,09 Prozent (netto) könnte hier Vorbild sein. Dr. rer. pol. Harald Clade
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